Die Rechtsextremisten planen auch in diesem Jahr am 18. November einen großen Aufmarsch zum "Heldengedenken" in Halbe. Sicherheitskreise schließen nicht aus, dass diesmal mehr als 2000 Neonazis aus der ganzen Bundesrepublik am Vortag des Volkstrauertages nach Halbe kommen könnten. Im letzten Jahr war ein genehmigter Zug von etwa 1600 Rechtsextremisten auf dem Weg zum Soldatenfriedhof durch 2000 Gegendemonstranten, die die Lindenstraße in Halbe blockierten, gestoppt worden.
Appel wies darauf hin, dass das neue Gesetz einen Aufmarsch der Rechten in Halbe selbst nicht verhindern könne. "Es kann nur verhindern, dass sie auf den Friedhof, seinen Vorplatz und die an den Friedhof direkt angrenzenden Wege gehen." Die Lindenstraße, die vom Bahnhof zum Soldatenfriedhof führt und auf der die Nazis aufmarschieren wollen, falle nicht unter das Verbot. Auch das Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit hat dort eine Demonstration angemeldet.
Im Gesetzentwurf heißt es, dass öffentliche Versammlungen und Aufzüge auf Gräberstätten sowie in deren "unmittelbarer und engen räumlichen Nähe" verboten seien. Dadurch solle die Würde der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft geschützt werden. Die Opfer sollten durch politische Demonstrationen nicht zu "Instrumenten der Meinungskundgabe" degradiert werden.
Sicherheitskreise gehen davon aus, dass sich die Neonazis von dem Gesetz nicht beeindrucken lassen werden, eher sei das Gegenteil der Fall. "Halbe ist ihre Heerschau. Sie haben keinen anderen Ort." Außerdem sei zu vermuten, dass sie ihre Niederlage vom letzten Jahr durch einen größeren Aufmarsch wettmachen wollten. Landesregierung und Landtag planen vor diesem Hintergrund eine große Kundgebung, um der Opfer des Zweiten Weltkrieges zu gedenken und ein Zeichen gegen rechts zu setzen.
Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat seine Teilnahme bereits angekündigt. Auch die Fraktionen von SPD, CDU und PDS wollen sich beteiligen. "Halbe darf nicht den Neonazis überlassen werden", sagte CDU-Generalsekretär Sven Petke. Neben der Kundgebung sind weitere Veranstaltungen in Halbe angedacht. Die Ministerien wollen dafür Lottomittel bereitstellen. Die Idee, Udo Lindenberg zu einem großen antifaschistischen Rockkonzert nach Halbe zu holen und auf diese Weise auch viele junge Menschen, ist dem Vernehmen nach inzwischen aufgegeben worden. Wie Petke meint auch SPD-Generalsekretär Klaus Ness, dass ein solches Konzert nicht passend wäre. Ness forderte stattdessen, dass sich das Land offensiver mit dem auseinandersetzen müsse, was in Halbe stattgefunden hat: "Eine unnötige Schlacht in den letzten Kriegstagen, die Zehntausende Opfer forderte - das letzte große Verbr echen der Nazis." Auf dem Waldfriedhof ruhen etwa 23 000 Soldaten und Zivilisten.