„Wir müssten noch Termine dazwischen schieben“, sagte Ines Reich, Leiterin der Gedenkstätte. Sie sprach von rund 450 Besuchern. Erhaltene Zellen und Verhörräume könnten besichtigt werden. Mit einer Festveranstaltung war die Gedenkstätte, deren Dauerausstellung noch aussteht, am Samstag eröffnet worden.

Als erstes Exponat für die Dauerausstellung überreichte ein ehemaliger Häftling ein Gemälde, das er in der Sowjetunion gemalt hatte.

Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) erklärte am Samstag in einem Grußwort, dass Brandenburg nun einen großen Schritt hin zu einem würdigen Gedenken an die Opfer des sowjetischen Militärgeheimdienstes in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR getan habe. „Es erfüllt mich mit Stolz, dass es uns in gemeinsamer Anstrengung gelungen ist, diesen national bedeutsamen Ort zu einer Gedenkstätte auszubauen und damit die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten“, sagte Wanka laut ihrem Ministerium. Der Festakt war Auftakt für den offiziellen Betrieb der Gedenkstätte.

Die sowjetische Besatzungsmacht hatte das einstige Pfarrhaus in der Leistikowstraße 1 im Jahr 1945 konfisziert und mehrere Jahre lang als Gefängnis für sowjetische Bürger und deutsche Zivilisten genutzt. Nach wie vor ist unklar, wie viele Häftlinge dort gefangen gehalten, gefoltert oder sogar ermordet wurden. In allen bekannten Fällen wurde Anklage vor einem sowjetischen Militärtribunal erhoben. Die nichtöffentlichen Verfahren endeten mit Todesstrafen oder Freiheitsstrafen nicht unter zehn und oft bei 25 Jahren Arbeitslager.

Reich sagte, die Geschichte des Hauses solle erschlossen werden. „Das Kostbarste am ganzen Gebäude sind die Ritzungen von Häftlingen an den Wänden: bildliche Darstellungen, Namen, Adressen, Urteile und Gedichte. Das ist wie ein Geschichtsbuch, das gedeutet und gelesen werden muss.“ Dies alles gelte es zu erforschen.

Für die Gedenkstätte wurde das historische Gebäude saniert, zudem entstand ein Neubau mit Besucherzentrum. Dafür flossen nach Ministeriumsangaben rund 2,3 Millionen Euro. Für die geplante Ausstellung sind 750 000 Euro von Bund und Land bereitgestellt. dpa/mb