Martin Luther hat nicht nur von Sachsen aus der Welt die Reformation gebracht - er hat auch Sachsen das Reformationsbrötchen beschert. Seit Mitte Oktober liegt es wieder in den Bäckertheken. Das Rezept ist nicht in Stein gemeißelt - und so macht eben jeder Bäcker draus, was er meint. Rosinen und Zitronat kommen rein, Puderzucker drauf. Vier Ecken sollte es haben. Aber da fangen die Probleme schon an. Denn die Lutherrose, der das Brötchen laut Legende nachempfunden sein soll, hat fünf Ecken.

Mit dem Rosensymbol stempelte der rebellische Augustinermönch einst seine Briefe. Auch mit dem mittigen Marmeladenklecks, der die Rosenform komplettiert, nehmen es viele Zuckerbäcker nicht so genau. Es geht auch ohne. Im weiteren Umkreis von Leipzig hat das süße Gebäck Tradition, das heißt in etwa zwischen Wittenberg, Erfurt und Torgau. Daran zeigt sich, dass das Sachsen, in dem der Luther vor 500 Jahren wirkte, ein anderes war als das heutige. Trotzdem gilt Sachsen als das Mutterland der Reformation.

Das heutige Sachsen ist zu 75 Prozent konfessionslos. Gerade 850 000 von insgesamt vier Millionen Sachsen gehören zur evangelischen Religionsgemeinschaft, fand der Zensus von 2011 heraus. Zur römisch-katholischen gehören gar nur 150 000 Sachsen. Die evangelisch-lutherische Konfession ist in den meisten sächsischen Gemeinden die größte. Die katholische Gegenseite ist immerhin in den meisten Orten vertreten. Daneben sind verschiedene Freikirchen in Sachsen aktiv - wie die in Sachsen entstandene Evangelisch-Lutherische Freikirche (ELFK).

Ganz anders sieht es im Kabinett des Freistaates aus. In der sächsischen Ministerriege des katholischen Sorben Stanislaw Tillich (CDU) sitzen vier Katholiken und vier Protestanten. Der FDP-Wirtschaftsminister Sven Morlok bekennt sich als konfessionslos. Die parteilose Kultusministerin Brunhild Kurth behält indes ihr Bekenntnis für sich. Zusammen regieren sie ein Land, in dem die evangelische Kirche mit knapp 21 Prozent Bevölkerungsanteil die größte ist.

Dennoch ist Luther hier an vielen Orten präsent. Der sächsische Lutherweg führt über 35 Stationen von Bad Düben über Wurzen, Colditz bis nach Zwickau im Süden. Der Lutherweg in Sachsen ist Teil des Mitteldeutschen Lutherweges mit den Strecken in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zugleich bestehen über den Jakobsweg und über den Lutherweg in Bayern die Anschlüsse an das internationale Netz der Wanderwege. Er gehört zu den gesamteuropäischen Angeboten des spirituellen Tourismus - von denen immer mehr Menschen Gebrauch machen.

Der Lutherweg führt zu Orten, in denen die lutherische Bewegung schnell Fuß fasste, wie in Torgau, Eilenburg und Zwickau. Einige der sächsischen Stationen sind eng verbunden mit dem Lebensweg der Frau Luthers, Katharina von Bora.

Der Reformationstag bringt die Gläubigen in diesem Jahr zu den unterschiedlichsten Aktivitäten zusammen:

Im Meißner Dom beginnt das Reformationsfest mit einem Abendmahlsgottesdienst um zehn Uhr, bei der Landesbischof Jochen Bohl predigen wird.

In der Dresdner Frauenkirche gibt es ab elf Uhr Auszüge aus der Bachkantate "Gott der Herr ist Sonn und Schild" zu hören.

In vielen Gemeinden des Freistaates gibt es gleich nach dem Gottesdienst ein zünftiges Reformationsbrötchen-Essen.

Bislang ist der Reformationstag nur in einigen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. Jetzt zeichnet sich ab, dass er am 31. Oktober 2017 einmalig bundesweit begangen werden könnte. Das 500. Jubiläum des Thesenanschlags von Martin Luther an die Wittenberger Schlosskirche wollen fast alle Bundesländer besonders würdigen, wie eine Umfrage ergab.

Der Reformationstag, der 2017 auf einen Dienstag fällt, ist nur in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ein gesetzlicher Feiertag. Die Evangelische Kirche in Deutschland hatte einen nationalen Feiertag angeregt.