Das war ein noch besseres Ergebnis als sein schon gutes Abschneiden bei der Präsidentenwahl im Jahr 2005, als er auf 53,7 Prozent gekommen war. Doch auch seine Gegner aus den abtrünnigen Provinzen können sich als Sieger fühlen. Sie erzielten ebenso gute und teils noch bessere Ergebnisse.
Damit hat die Volksabstimmung, die eigentlich eine Entscheidung in dem seit Jahren andauernden Machtkampf zwischen beiden Seiten bringen sollte, vor allem eines deutlich gemacht: die tiefe Spaltung des südamerikanischen Landes.
Im westlichen Hochland, vor allem in La Paz und El Alto, leben die armen und seit Jahrhunderten benachteiligten Indios, die fest zum ersten Indio-Präsidenten Morales stehen. Im westlichen und südlichen Tiefland - reich an Bodenschätzen und großen landwirtschaftlichen Gütern in der Hand weniger Nachfahren europäischer Einwanderer - sitzen seine Gegner.
Morales und sein Stellvertreter Alvaro García Linera fühlen sich durch das Ergebnis des Referendums in ihrer Politik bestätigt, einen ethnisch begründeten Sozialismus des 21. Jahrhunderts aufzubauen. Jetzt werde mit Hochdruck an der Fortsetzung der Reformen gearbeitet, kündigte Morales an. Dazu gehörte bisher die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien wie etwa dem Erdgas- und Erdölsektor. Weitere sollen folgen. Das nächste wichtige politische Vorhaben wird die Verabschiedung einer neuen Verfassung sein, wie Morales vor Zehntausenden jubelnden Anhängern in La Paz ankündigte.
Seine Widersacher, allen voran der mit 69,6 Prozent im Amt bestätigte Präfekt von Santa Cruz, Rubén Costas, werden sich in ihrer Kritik bestätigt sehen. Sie werfen Morales vor, die Indios zu privilegieren, und lassen nichts unversucht, ihm Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Den Aufruf von Morales vom Wahlabend, nun alle gemeinsam die „demokratische Revolution“ voranzutreiben, werden Cos tas und seine Kollegen aus den Departements Beni, Pando und Tarija wohl höchstens mit einem müden Lächeln quittieren.
Ausgeschert waren diese schon im Mai und Juni, als sie eigenmächtig regionale Referenden über eine weitgehende Autonomie abhielten - und gewannen. Offiziell galten die Abstimmungen aber als verfassungswidrig. Wie Costas und seine Kollegen auf den Sieg von Morales reagieren werden, war zunächst unklar. Faktisch haben sie sich schon teilweise aus dem Staatsverbund ausgeklinkt. Morales regiert nur in einem Teil des Landes.
So konnte Morales im Wahlkampf schon mehrere Städte in Bolivien nicht mehr besuchen, weil seine Sicherheit nicht zu garantieren war. In der vergangenen Woche musste sogar ein Gipfeltreffen von Morales mit dem venezolanischen Staatschef Hugo Chávez und der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner kurzfristig abgesagt werden. Morales-Gegner hatten das Tagungshotel und den Flughafen blockiert.