Fast zwei Wochen dreht sich für Zehntausende Menschen während der Pariser Klimakonferenz alles um die Erderwärmung. Darunter sind nicht nur Politiker, Verhandler oder Journalisten, sondern auch Klima-Akteure.

Der Kichwa-Chef

Die Folgen des Klimawandels sehen die Kichwa in ihrem unmittelbaren Umfeld. "Wir leben im Einklang mit Natur und Wald", sagt Felix Santi, Präsident der gut 1000 Einwohner zählenden Gemeinde am Fluss Bobonaza im südlichen Amazonasgebiet Ecuadors. Sarayaku ist nur mit dem Hubschrauber zu erreichen. "Wir sind aus dem Regenwald hierhergekommen, um den Kawsak Sacha, den lebenden Wald zu verteidigen", sagt Santi. "Wir beobachten den Klimawandel schon in unserem Wald, bei Pflanzen und Tieren, am Fluss." Früher habe es saisonal Hochwasser und Trockenphasen gegeben, "heute führt der Fluss ständig Niedrigwasser und ist trocken". Zudem gab es "das erste Mal überhaupt Hagel in unserem Gebiet". Santis Volk kämpft seit Jahrzehnten gegen Pläne für Ölförderung in ihrem Gebiet.

Der Umweltschützer

Martin Kaiser ist Marathonläufer. "Da weiß ich, dass es erst bei Kilometer 35 richtig hart wird", erzählt der 50-Jährige. Den langen Atem braucht er als Klimaexperte von Greenpeace. Bei der Klimakonferenz in Paris (seine achte) fängt er morgens um 6 Uhr an und ist meist bis kurz vor Mitternacht unterwegs. Mit seinen Kollegen verfolgt Kaiser das Geschachere um Textbausteine, wirbt bei den Länderdelegationen für ein ehrgeiziges Abkommen und gibt zahllose Interviews. Kraft ziehe er aus dem, was draußen passiert - dem Engagement von Klimaaktivisten in der ganzen Welt.

Der Lobbyist

Nick Campbell ist Klimakonferenz-Veteran - sämtliche Gespräche hat er mitgemacht. In Paris ist der 58-jährige Brite für den europäischen Wirtschaftsverband Business Europe dabei. Den Tag verbringt er auf den Gängen des riesigen Konferenzgeländes, bei Veranstaltungen am Rande, in Sitzungen, im Gespräch. Zugang hat er zu Treffen, die auch für andere Beobachter offen sind. Seinen Auftraggebern ist zum Beispiel wichtig, dass im geplanten Weltklimavertrag eine Rolle für marktwirtschaftliche Instrumente erwähnt wird. Damit ist zum Beispiel der Emissionshandel gemeint, bei dem Unternehmen nach Bedarf mit Rechten zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid dealen können.

Der Jugendaktivist

Yudi Yonto Njappa Kaka ist nicht nach Paris gereist, um feinste Verästelungen der internationalen Klimaverhandlungen zu verfolgen. Der 16-jährige Schüler von der indonesischen Insel Sumba berichtet vielmehr, wie der Klimawandel das Leben in seinem Dorf beeinflussen kann. So müssen seine Freunde und er inzwischen weiter laufen, um Wasser zu holen. "Das nimmt uns Zeit weg zum Lernen", sagt er. "Wir sind oft müde." Dabei will er lernen - er will Medizin studieren, wenn er mit der Schule fertig ist. Er erzählt aber auch von einem Projekt: Die Dorfbewohner pflanzen schattenspendende Bäume. Wenn das Holz später verkauft wird, soll das Geld in die Ausbildung der Kinder fließen. In seiner Heimat ist Yudi Vorsitzender einer lokalen Jugendgruppe, zur Pariser Konferenz ist er mit Unterstützung der Hilfsorganisation "World Vision" gereist.

Zum Thema:
Frankreich hat am Mittwochabend einen neuen Vertragsentwurf vorgelegt. Auf Basis des "ambitionierten und ausgeglichenen" Textes sollten die 196 Verhandlungspartner "schnell Kompromisse finden", forderte Außenminister Laurent Fabius. Er verwies darauf, dass drei Viertel der bisher markierten Stellen aus dem Text verschwunden seien. Der Entwurf wurde damit von 20 auf 14 Seiten verkürzt.