„Im ersten Moment konnte ich gar nichts mit mir anfangen“, berichtete der 19-Jährige über die ersten Gedanken der mit Gold belohnten „besten Übung meines Lebens“. Fast zurückhaltend riss der Wetzlarer die Arme in die Luft und ließ sich zum Abschluss der Turn-WM in Stuttgart von den 8000 Zuschauern feiern. „Dann kam das Riesenglücksgefühl und ich habe alles rausgelassen. Es war der Hammer“, sagte Hambüchen, der als letzter Starter dieser WM als Favorit die Nerven behielt und mit der schwierigsten Übung weltweit gewann. Der Abiturient hielt strahlend ein T-Shirt mit der Aufschrift „Weltmeister“ in die Höhe und stand anschließend mit feuchten Augen als erster Deutscher seit dem Titel von Valer i Belenki 1997 am Seitpferd ganz oben auf dem Siegerpodest.
Mit 7,0 hatte der Abiturient den höchsten Ausgangswert aller WM-Teilnehmer und turnte auch bei seiner vierten Übung in Stuttgart fehlerfrei.
Der jüngste und zugleich 13. deutsche Weltmeister überhaupt lag mit 16,250 Punkten klar vor Aljaz Pegan (Slowenien/15,825) und dem Japaner Hisashi Mizutori (15,775). „Die ganze WM war wie ein Traum. Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, sagte Hambüchen. Am Sprung belegte der Reck-Europameister von 2005 und 2007 zudem Platz sechs. „Jetzt bin ich aber platt und freue mich auf den Urlaub“, sagte Hambüchen, der ab Freitag mit Freundin Viktoria eine Mittelmeerkreuzfahrt machen will. Vater Wolfgang analysierte den Triumph des Sohnes gewohnt nüchtern: „Er hat alles richtig gemacht. Wenn es in die Hose gegangen wäre, dann wäre alles Kacke gewesen. Aber in der Qualifikation war der Druck viel größer.“
Mit je ein Mal Gold, Silber und Bronze verbuchte der Deutsche Turner-Bund (DTB) seine erfolgreichste WM seit 1991. Hambüchen ist zudem der erste deutsche Turner überhaupt, der bei der WM einen kompletten Medaillensatz verbuchen konnte. Der Vizeweltmeister im Mehrkampf führte zudem die deutsche Herren-Mannschaft zu Platz drei. „Diese WM war ein Quantensprung“, sagte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam stolz.
Auch ohne Medaille zeigten die deutschen Turnerinnen ihr großes Potenzial. Die 16-jährige Marie-Sophie Hindermann (Tübingen) überzeugte als gute Fünfte am Stufenbarren. „Das war Weltklasse“, lobte Cheftrainerin Ulla Koch die Übung der Schülerin. Enttäuscht war hingegen Mitfavoritin Oksana Tschussowitina nach ihrem sechsten Platz am Sprung. „Ich wollte hier eine Medaille“, sagte die 32 Jahre alte Kölnerin, die im Vorjahr noch Platz drei belegt hatte. Doch wegen andauernder muskulärer Probleme konnte die gebürtige Usbekin wochenlang nur eingeschränkt trainieren.
Erfolgreichste Nation war China mit fünf Titeln, zweimal Silber und einmal Bronze vor den USA (4/2/1) und Deutschland (1/1/1), während die Japaner überraschend keinen Sieg schafften. (dpa/jam)