Zwar will SPÖ-Chef Werner Faymann als Chef der stärksten Einzelpartei in den nächsten fünf Jahren erneut mit einer Großen Koalition mit der konservativen Volkspartei ÖVP regieren, doch auch die eigentlichen Gewinner der Wahl drängen jetzt an die Macht. Und beim Wahlverlierer ÖVP mehren sich die Stimmen gegen ein erneutes Bündnis mit den Sozialdemokraten. Eine Koalition rechts von der Mitte erscheint auf einmal wieder denkbar. Bereits am Sonntag, so berichtete die Nachrichtenagentur Apa, habe es erste Kontakte zwischen den Rechten und der Volkspartei gegeben. Nach dem unerwarteten Wahlerfolg seines Bündnisses Zukunft Österreich (BZÖ) gab sich der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (58) staatsmännisch. Natürlich sei er für eine Regierungsverantwortung seiner Partei, sagte der Alt-Rechte aus Kärnten im ORF-Fernsehen. Doch "die Große Koalition ist tot", resümierte der Rechtspopulist. Er sehe jetzt eine "breite Mitte-Rechts-Konstellation" in Österreich ähnlich wie in Italien. Auch der Chef der Freiheitlichen Partei (FPÖ), Haiders politischer Ziehsohn Heinz-Christian Strache (39), strotzte nur so vor Selbstbewusstsein. Da ÖVP und SPÖ ihr "historisch schlechtestes Ergebnis" erzielt hätten, stelle er nun als drittstärkste Kraft im Parlament den Kanzleranspruch. Angesichts der gewonnenen 18 Prozent akzeptiere er nur eine Regierungsbeteiligung für die FPÖ. "Eine Minderheitsregierung (der SPÖ) werden wir nicht unterstützen." SPÖ-Chef Faymann hat eine kleine Koalition mit der Rechten bereits grundsätzlich abgelehnt. Rechnerisch ist eine Neuauflage der von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel im Jahr 2000 unter lautstarkem Protest und Sanktionen der EU gegründeten schwarz-blauen Koalition - blau ist die Farbe der FPÖ - auch jetzt wieder möglich. Zusammen mit der ÖVP (25,6 Prozent) kämen FPÖ (18 Prozent) und BZÖ (elf Prozent) auf eine sichere absolute Mandatsmehrheit im Nationalrat. Die Ausgangslage für den (noch) amtierenden ÖVP-Vorsitzenden Wilhelm Molterer wäre ähnlich: Auch Schüssel hatte bei der Wahl 1999 ein denkbar schlechtes Ergebnis eingefahren und lag hinter der damals noch von Haider gesteuerten FPÖ nur auf dem dritten Platz. Mit viel Geschick und durch baldige Neuwahlen gelang es dem cleveren Taktiker, die Blauen bis zur Wahl im Oktober 2006 im Kabinett zu halten. Die schwarz-blaue Koalition überstand 2005 sogar die Spaltung der FPÖ durch Haider. Für den Wahlverlierer ÖVP hätte eine kleine Rechtskoalition also durchaus ihren Reiz. Doch politische Beobachter in Wien erwarten für ein solches Dreier-Bündnis massive Probleme. Zwar sind die politischen Programme der drei Parteien vor allem bei Themen wie Ausländer oder Kriminalität fast deckungsgleich. Doch schon beim Thema EU sind die Positionen unvereinbar. Seit der Abspaltung des BZÖ durch Haider 2005 sind sich außerdem die beiden Rechtsparteien spinnefeind. Zwar machte Haider Strache in den vergangenen Wochen Kooperationsangebote, doch der inzwischen erfolgsverwöhnte Zahntechniker wies eine Verbindung schroff zurück. "Vor der Bildung einer Mitte-Rechts-Koalition müsste es also erst einmal eine Sub-Koalition zwischen FPÖ und BZÖ geben", sagte der Politologe Peter Filzmaier. Dennoch macht die von den Wählern herbeigeführte Ausgangslage die Koalitionsverhandlungen für den "siegreichen" SPÖ-Chef Faymann nicht leichter. Zwar bekräftigte er tapfer sein Bekenntnis: "Nein zu einer Regierung mit den Rechten." Doch damit setzt er politisch alles auf eine Karte. Sollte sich ihm nämlich die Volkspartei verweigern, bliebe ihm nur eine Minderheitsregierung, die angesichts der Stimmenverhältnisse vermutlich zum Scheitern verurteilt wäre.