Wie haben sich rechtsextreme Webangebote zahlenmäßig entwickelt?
Gegenüber 2011 wurde eine Zunahme um ein Drittel verzeichnet, von 5400 auf 7000. Bemerkenswert ist dabei eine Verlagerung in die interaktiven Plattformen wie Facebook, Youtube oder Twitter. Hier gab es 5500 Beiträge, ein Zuwachs von fast 50 Prozent. Leicht abgenommen hat demgegenüber die Zahl der festen Websites der Szene, von 1671 auf 1519. Sie dienen der Vorbereitung von Aktionen und zur Vernetzung der eigenen Anhänger.

Welche neuen Trends gibt es?
Stark weiterentwickelt wurde die Masche, sich als unverdächtig zu tarnen. So werben die sogenannten "Identitären" auf Facebook teilweise sogar mit scheinbaren Anti-Naziparolen, etwa dem Satz: "100 Prozent identitär, null Prozent Rassismus". Oder sie kopieren das Aussehen der antifaschistischen Aktion "Gesicht zeigen" grafisch und nennen sie "Gewissen zeigen". Die Hauptaussage der Gruppe richtet sich gegen die angebliche Islamisierung Europas. Neu sind auch Blogs mit unverfänglichen Namen wie "Mauerblümchen", die sehr modern gestaltet sind. Es gibt auch rechtsextreme "Apps" mit denen man zum Beispiel schnell per Handy auf rechte Online-Radios zugreifen kann. Neuerdings versucht die Szene auch QR-Codes für ihre Propaganda zu benutzen. Hinter diesen Strichdarstellungen liegen oft Videos, die mit dem Handy sichtbar gemacht werden können. Teilweise überkleben rechte Gruppen QR-Codes auf Plakaten kommerzieller Werber mit ihren eigenen Codes. Häufig werden in sozialen Medien auch satirische Beitrage oder Witze verbreitet, meist zulasten von Juden oder Ausländern, die mitunter auf hohe "Like"-Raten kommen.

Gibt es auch klare strafbare Inhalte?
Ja, die Zahl ist hoch. 1673 Angebote waren direkt jugendgefährdend, nazistisch oder gewaltverherrlichend. Das reicht von der Verwendung verbotener Nazi-Kennzeichen bis zu Videos, die zeigen, wie Menschen real zusammengeschlagen oder gar totgeprügelt werden. 2012 wurden insgesamt 13 Prozent mehr strafbare Inhalte als im Vorjahr dokumentiert. 62 Prozent davon lagen auf amerikanischen Servern.

Was können die Ermittler in solchen Fällen tun?
Jugendschutz.net sucht meist den direkten Kontakt mit den Providern. Angebote mit strafbaren Inhalten werden von Facebook, Youtube und Co. nach einer Meldung in der Regel dann auch gelöscht. Allerdings werden sie oft später erneut hochgeladen. Zunehmend weicht die Szene auf die russische Seite "VK" aus, die ähnlich wie Facebook arbeitet. Jetzt hat Jugendschutz.net auch mit diesem Anbieter Kontakt aufgenommen.

Was können normale Nutzer tun?
Es gibt eine Online-Beratungsstelle für Menschen, die mit Rechtsextremismus konfrontiert werden ( www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de). Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, der die Studie am Montag in Berlin vorstellte, appellierte an alle Internet-User, sich auch im Netz zu wehren. So wie man gegen rechts auf die Straße gehe, so müsse man den Rechtsextremen auch in den sozialen Netzwerken Paroli bieten.

Die komplette Studie ist unter hass-im-netz.info/s/

bericht2012 zu finden.