Unter Anleitung erfahrener Sozialarbeiter sollen sie irrationale Ansichten über die Nazizeit, Selbsttäuschungen, Hass auf Ausländer, Brutalität- und Feindseligkeit gegen Andersdenkende „verlernen“ . Insgesamt 112 000 Euro lassen sich die Bundes- und Landeszentrale für Politische Bildung sowie das Justizministerium das Modellprojekt jährlich kosten, das noch bis 2004 läuft.
In Brandenburger Haftanstalten sitzen gegenwärtig 360 Strafgefangene, die nach Jugendstrafrecht verurteilt sind, hinter Gittern. Etwa 25 bis 30 Prozent davon seien rechtsextremistisch beeinflusst. Diese wolle man durch Diskussionsveranstaltungen und Trainingsgruppen erreichen, erklärte Staatssekretär Hans-Georg Kluge gestern auf einer Pressekonferenz in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Spremberg. Im größten Jugendgefängnis des Landes mit über 100 Insassen laufen zwei Trainingskurse, in der JVA in Cottbus einer.
Ein Vertreter vom Verein „Archiv der Jugendkulturen e.V. Berlin“ , der mit der Durchführung des Projektes betraut ist, wertete es als Erfolg, dass sich die Jugendlichen freiwillig zu den Gesprächs- und Trainingsrunden zusammengefunden hätten. Er selbst bat um Anonymität, weil die rechte Szene außerhalb der Gefängnismauern das Bemühen, ihnen die Strafgefangenen nach deren Entlassung zu entziehen, massiv bekämpfe und Verantwortliche des Projektes bedrohe.
Im September will die Bundeszentrale für Politische Bildung in Potsdam bei einem Kongress den Justizbehörden der anderen Bundesländer Erfahrungen und Ergebnisse der präventiven Arbeit mit rechtsextremistisch beeinflussten Jugendlichen präsentieren.
(Eig.Ber./sw)