Für den Vorsitzenden der Domowina - des Bundes Lausitzer Sorben - haben die Übergriffe eine Dimension angenommen, "die erschreckend ist und Angst macht". Angst nicht nur bei Jugendlichen, sondern in der sorbischen Bevölkerung in der Oberlausitz.

Gegenüber der LAUSITZER RUNDSCHAU erläutert Statnik, "dass sorbisch sprechende junge Leute gezielt ausgesucht werden, um sie zu provozieren, zu beschimpfen und in Schlägereien zu verwickeln". Die schwarz gekleideten Täter seien zum Teil maskiert. Sie hätten ihre Opfer als "Sorbenschweine" beschimpft und auf einer Veranstaltung im Vereinshaus in Cunnewitz den Hitlergruß gezeigt. Ähnliche Angriffe gegen Sorben habe es in Crostwitz und Ralbitz (alle Kreis Bautzen) gegeben.

Unterdessen ermittelt das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei wegen Nötigung und Beleidigung. Den Angaben zufolge hatte Mitte Oktober die etwa ein Dutzend Personen zählende Gruppe sorbische Discobesucher in Schönau (Kreis Görlitz) beleidigt und eingeschüchtert. "Sie beschimpften uns als ‚Sorbenschweine' und versuchten die Autotüren aufzureißen", schilderte ein Jugendlicher in dem Magazin "exakt" des MDR-Fernsehens.

Zudem liegen vier Strafanzeigen vor, unter anderem wegen Sachbeschädigung, erklärte eine OAZ-Sprecherin. Sorbische Ortsschilder wurden mit Farbe übersprüht, in einem Fall auch mit einem Hakenkreuz. Die Polizei sei derzeit verstärkt bei Abendveranstaltungen im Raum Bautzen unterwegs. "Um weiteren aggressiven Konfrontationen gegenüber sorbischen Jugendlichen vorzubeugen", hieß es.

Eine Reihe ähnlicher massiver Übergriffe hatte es bereits vor fünf Jahren im Siedlungsgebiet der Sorben in der Oberlausitz gegeben. Im brandenburgischen Teil der Lausitz kam es nach Polizeiangaben in Cottbus bislang nicht zu derartigen Vorfällen.