Am Montagvormittag veröffentlicht der FC Energie eine schriftliche Erklärung. Mit "Bestürzung" habe man die "abwertenden und vereinzelt rechtsgesinnten Parolen" im Cottbuser Stadion gegen die Gäste von Babelsberg 03 zur Kenntnis genommen, heißt es darin. Der Verein werde gegen ermittelte Straftäter mit Sanktionen vorgehen und "Strategien entwickeln, um derartigen Vorfällen künftig einen Riegel vorzuschieben".

Wie das genau geschehen soll, lässt der Verein jedoch vorerst offen. Für die RUNDSCHAU war am Montag vom FCE nur Medienkoordinator Stefan Scharfenberg zu sprechen.

"Sieg heil" und Hitlergruß

Am Samstag hatten beim Derby in Cottbus mehr als 100 Schwarzgekleidete einen Sitzplatzbereich im Block E okkupiert. Aus dieser Gruppe kamen "Sieg heil"-Rufe und Beschimpfungen der Babelsberger als "Juden" und "Zigeuner". Auch der Hitlergruß wurde gezeigt.

Außerhalb des Stadions, das zeigt ein im Internet veröffentlichtes Video, skandieren Cottbus-Anhänger "Arbeit macht frei, Babelsberg 03". "Arbeit macht frei" war die Inschrift am Eingang des Vernichtungslagers Auschwitz und anderer KZ der Nazis. Schon vor dem Spiel waren im Stadtbild Parolen wie "Babelsberg vergasen" aufgetaucht.

Als Drahtzieher der Aktion fungierte vermutlich die maßgeblich von Rechtsextremisten dominierte Fan-Gruppe "Inferno". Auch ein Kenner der Cottbuser Szene, der im Stadion war und anonym bleiben will, bezeichnete die Gruppe im Block E als "Infernolastig". Ein Dutzend Anhänger der Gruppe, die bereits Stadionverbote haben, wurden am Samstag von der Polizei in der Nähe der Cottbuser Arena vorübergehend festgenommen.

Vor Jahren bereits hatte die RUNDSCHAU mehrfach über "Inferno" und seine Verbindungen in die Kickbox- und Rockerszene berichtet. Zu den Gründern und maßgeblich prägenden Mitgliedern der Gruppe gehörten laut Verfassungsschutz bekannte Neonazis. Immer wieder waren im Cottbuser Fanblock bei Heim- und Auswärtsspielen Bannersprüche mit rechtsradikalem Subtext aufgetaucht.

Der Verein, damals noch in der zweiten und später dritten Liga, versuchte das Problem lange abzuwiegeln. 2013 wurde nach drei Jahren Pause erneut ein Darstellungsverbot gegen "Inferno" verhängt, das bis heute gilt. Die Gruppe darf keine Fahnen und Banner im Stadion zeigen.

Verein hat Stadion-Hausrecht

Doch auch ohne sichtbare Zeichen spielen "Inferno"-Anhänger vermutlich noch immer eine wichtige Rolle in der Cottbuser Fanszene. Das wird nun, angesichts der deutlich zurückgegangenen Zuschauerzahlen mit dem Abstieg in die Viertklassigkeit, auch optisch deutlicher sichtbar.

Für die Polizei gab es am Samstag im Stadion keine Möglichkeit, direkt gegen die Pöbler im Block E vorzugehen. Sie darf nur zur Gefahrenabwehr einschreiten. Ein Angebot der Beamten, ihnen für die Spieldauer das Hausrecht mit mehr Handlungsmöglichkeiten zu übertragen, lehnte der Verein ab. "Wir wollten eine Eskalation vermeiden", begründet Scharfenberg das für den Verein.