Auf der Nordtribüne gleich neben dem Stadiontunnel, durch den die Spieler in Cottbus auf den Rasen laufen, hat die Fan-Gruppierung "Inferno" ihren Platz. Dort wehte bisher ihre Fahne. Doch seit Spielbeginn nach der Winterpause ist "Inferno" nicht nur in Cottbus aus dem Stadionbild verschwunden. Egal ob Heim- oder Auswärtsspiel: Keine Inferno-Fahne, keine Inferno-Banner sind zu sehen.

Eine Erklärung dafür gibt es für Außenstehende nicht. Denn der FC Energie Cottbus hüllt sich seit Wochen bei Fragen der RUNDSCHAU zu "Inferno" und dessen Verbindung in die rechtsextreme Szene in Schweigen. Einzige Erklärung von Pressesprecher Lars Töffling Ende Januar: "Wir haben unsere Möglichkeiten ausgeschöpft und pünktlich vor Beginn der Rückrunde Hausverbote ausgesprochen."

Wie viele Hausverbote es waren, warum sie ausgesprochen wurden, wie lange sie befristet sind und wie viele "Inferno"-Anhänger davon betroffen sind, sagt der Verein bis heute nicht. Niemand von der Vereinsspitze nimmt den Namen "Inferno" in diesem Zusammenhang in den Mund, auch nicht das Wort "rechtsextrem."

Das kommt jedoch mehrfach in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des SPD-Generalsekretärs und Landtagsabgeordneten Klaus Ness vor, die nun wesentliche Fakten über "Inferno" und seine Vernetzung mit der rechtsextremen Szene öffentlich macht. Danach sind unter den 100 bis 150 Anhängern der Gruppe bis zu 50 Rechtsextremisten. Darunter sind auch solche, die das Auftreten der Gruppe "maßgeblich bestimmen".

Zu den Gründern von "Inferno", einem Zusammenschluss mehrerer Gruppen 1999, gehörte der Cottbuser Rechtsextremist Markus W., der laut Innenministerium auch in der verbotenen Neonazigruppe "Widerstandsbewegung Südbrandenburg" eine wichtige Rolle spielte. Das von dem Neonazi-Netzwerk verwendete Bild eines stilisierten Sensenmannes ziert auch das Logo von "Inferno".

Wie deutlich Teile von "Inferno" in der braunen Szene verankert sind, berichtete die RUNDSCHAU bereits im August 2012 mit vielen Fakten: Banner mit Deutschland in den Grenzen von 1937, Parolen mit rechtsextremistischer Doppeldeutigkeit, Doppel-S auf Schriftbändern in Runenform. Das zehnjährige Bestehen von "Inferno" feierten 2009 Mitglieder der Gruppe in Cottbus mit 150 Rechtsextremisten.

Die meisten der Banner von "Inferno", die auf eine rechtsextreme Gesinnung hinweisen, wurden jedoch nur bei Auswärtsspielen gezeigt, weil in Cottbus dafür keine Genehmigung erteilt wurde. "Willi", der "Capo" von "Inferno", der mit Megafon die Fans im Stadion dirigierte, gehörte zum verbotenen "Widerstand Südbrandenburg". Vier weitere Mitglieder der verbotenen Neonazistruktur gelten als Sympathisanten der Gruppe.

Als Reaktion auf den RUNDSCHAU-Bericht im August lud der FC Energie "Willi" und andere Vertreter von "Inferno" zum Gespräch ein. Sichtbare Konsequenzen? Keine. "Willi" soll in dem Gespräch einfach abgestritten haben, ein Rechtsextremist zu sein. Er stand weiter mit dem Megafon im Stadion.

Die Rolle von "Willi" und viele andere Fakten über die rechtsextremen Verflechtungen von "Inferno"-Mitgliedern finden sich in der Antwort des Innenministeriums auf die Anfrage von Klaus Ness wieder. Am deutlichsten sei in Brandenburg eine Überschneidung zwischen Rechtsextremisten und Hooligans in Cottbus zu verzeichnen, heißt es in dem Papier.

Auch wenn die Problemfans nur etwa ein Prozent der Heimspielzuschauer ausmachten, sei es Aufgabe des Vereins, sich auch im eigenen Interesse von Gewalttätern und Extremisten klar abzugrenzen. Seit Bestehen von "Inferno" wurden von der Polizei gegen Mitglieder der Gruppe immerhin 72 Ermittlungsverfahren mit Fußballbezug eingeleitet, darunter auch wegen rechtsextremer Propagandadelikte.

Anfang November vorigen Jahres saß die Vereinsspitze des FC Energie Cottbus mit Polizei und Verfassungsschutz zu einer Beratung zum Thema "Inferno" zusammen. Am 10. Dezember bekam der Verein von der Polizei dazu auch eine umfangreiche schriftliche Information. Sie löste dann offensichtlich die Ende Januar bekannt gewordenen Hausverbote aus.

Die richten sich nach RUNDSCHAU-Recherchen ausschließlich gegen "Inferno"-Mitglieder. Außer gegen "Willi", der sich längerfristig nicht mehr ins Stadion trauen darf, sind die anderen Hausverbote nach RUNDSCHAU-Information nur bis zum Ende der Rückrunde befristet: Sieben Heimspiele bis Mitte Mai. Milder hätte die Sanktionierung kaum ausfallen können.

Anlass der Hausverbote war nach RUNDSCHAU-Informationen ein Zwischenfall beim Fanmarsch im November in Cottbus. 16 "Inferno"-Mitglieder versuchten dabei, gewaltsam eine Polizeikette zu durchbrechen. 15 davon erhielten jetzt Hausverbote, darunter der mutmaßliche Rädelsführer der Aktion "Willi".

Einer der Angreifer, der einen Polizisten verletzte, wurde im beschleunigten Verfahren vom Amtsgericht Cottbus zu einer Geldstrafe verurteilt und mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt. Beim nächsten Heimspiel wurde mit einem Banner in der "Inferno"-Ecke "Gerechtigkeit für Ronny", den Verurteilten, gefordert.

SPD-Generalsekretär Klaus Ness lobt den Verein für die Hausverbote: "Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung." Doch damit könne es der FC Energie nicht bewendet sein lassen: "Der Verein kann nicht zur Tagesordnung übergehen, er muss das Thema weiter bearbeiten." Mit der Antwort des Innenministeriums sei klar, dass es nicht um wenige Einzelpersonen gehe, sondern relativ viele Rechtsextremisten zu "Inferno" gehörten. Ihm sei etwas unverständlich, warum der Verein sich da nicht klarer äußere, sagt Ness. "Auf die ersten Maßnahmen könnten sie doch stolz sein."

Das sieht die Vereinsspitze des Fußballbundesligisten jedoch offenbar anders. Auch gestern beantwortete der Verein keine konkreten Fragen zu "Inferno". In einer schriftlichen Erklärung von Vereinspräsident Ulrich Lepsch kommt der Name wiederum nicht vor. Erneut wird von ihm nur darauf verwiesen, dass der Verein Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Stadion der Freundschaft ablehne.

Der Verein, so Lepsch, habe immer "rigoros gehandelt" und werde das auch weiter tun, "wenn von den Ermittlungsbehörden konkrete Zuarbeit geleistet wurde". "Auf dem eingeschlagenen Weg fühlen wir uns durch die Aussagen des Ministeriums bestätigt." Mangels neuer Namen und sanktionierbarer Verfehlungen sehe der Verein keinen akuten Handlungsbedarf.