Je mehr Konten, je mehr Bilanzen, desto mehr freut sich der Rechnungsprüfer, dass er endlich mal zeigen kann, was er drauf hat. Manches aber ist auch einem Rechnungshof-Präsidenten zu viel. Deshalb hob Karl-Heinz Binus am Dienstag den Zeigefinger in Richtung Sachsens Kommunen. Die sollten sich davor hüten, "durch die Auslagerung von Aufgaben prüfungsfreie Räume entstehen zu lassen", sagte Binus bei der Präsentation seines Kommunalberichts.

Gemeint sind damit Altenheime, Spaßbad-GmbHs oder Zweckverbände, die am Tropf des Rathauses hängen und wo Leute arbeiten, die das Rathaus bezahlt. Da zu beurteilen, ob am Ende die Stadtkasse stimmt, wird immer schwerer für Sachsens Rechnungsprüfer.

Entsprechend doppelbödig fällt der Jahresbericht aus. Zwar sind 2011 die Schulden der Kommunen um rund 1,5 Prozent gesunken. Aber das Geflecht an Gesellschaften hat einen Schuldenberg von insgesamt 12,2 Milliarden Euro angehäuft - ein Anstieg von 6,5 Prozent.

"In den kommunalen Beteiligungsunternehmen sind mittlerweile mehr Mitarbeiter beschäftigt als im Kernhaushalt", erklärte Binus. Nämlich mehr als die Hälfte der insgesamt mehr als 136 000 Mitarbeiter. Trotzdem, kritisiert der Rechnungshof, schauten die Rathäuser ihren Gesellschaften zu wenig auf die Finger.

Genauer hinsehen sollten die Kommunen demnach bei ihren Stadtwerken. Deren Geschäftsführer tragen laut Bericht nicht selten Bezüge nach Hause, die die ihrer Oberbürgermeister übersteigen, fand der Rechnungshof heraus. Manche Geschäftsführer-Verträge enthielten großzügige Altersvorsorge-Beiträge. Auf die Weise kann ein Stadtwerke-Chef 180 000 Euro im Jahr verdienen.

Erstaunliches fanden die Rechnungsprüfer zudem über die Auftragsvergabe in den Kommunen heraus. Diverse Hinweise veranlassten die Rechnungshof-Mannschaft, sich die Vergabepraxis in 79 Kommunen genauer anzusehen. Und fanden dabei "umfangreiche Verstöße" gegen die vergaberechtlichen Grundsätze, wie es in einer Beratenden Äußerung heißt.

"Oft haben Gemeinderäte Einfluss auf die Vergabe, die eigentlich Aufgabe der Verwaltung ist", sagte Abteilungsleiter Peter Teichmann. Da wundere es nicht, dass die Aufträge meist im Ort blieben oder gleich an die Firma eines Stadtrats gingen.