Die 47-Jährige, die sich jüngst erstmals mit SPD-Chef und Ministerpräsident Matthias Plat zeck getroffen hatte, kündigte die Fortsetzung des an Realitäten orientierten Oppositionskurses an. "Wir wollen unser Profil schräfen. Aber Realitätssinn ist Verpflichtung", sagte Kaiser. "Uns geht es nicht um eine revolutionär-oppositionelle Attitüde." Was gemeint ist, illustrierte Kaiser an folgendem Beispiel: Die Fraktion habe im Landtag einen Antrag für kostenloses Schulessen für bedürftige, aber nicht für alle Kinder gestellt. Mit der SPD werde man sich weiter hart, aber "ohne persönliche Angriffe" auseinandersetzen.
Es soll offensichtlich auch ein Signal an die SPD sein: Das gesamte neue Führungsquartett der Links-Fraktion besteht aus Realpolitikern, die Anerkennung auch bei den Sozialdemokraten genießen. So wurden zu Vize-Fraktionschefs die Bildungspolitikerin Gerrit Große und der frühere Landesvorsitzende und Wirtschaftspolitiker Ralf Christoffers gewählt, der nach einer gesundheitsbedingten Auszeit damit wieder in die erste Reihe zurückkehrt. Neuer parlamentarischer Geschäftsführer ist der Arbeitsmarktpolitiker Andreas Görke. Er tritt die Nachfolge von Heinz Vietze an, der bisherigen "grauen Eminenz" der PDS, der sich mit 60 Jahren jetzt in die zweite Reihe zurückzieht. Trotz der heiklen Vietze-Nachfolge seien keine Querelen und Grabenkämpfe ausgebrochen, betonte Kaiser. Alle seien mit Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt worden.
Tatsächlich hat sich die heterogene Fraktion - viele sind direkt gewählt - unter Führung Kaisers stabilisiert. Die Oppositionsführerin hat aber auch ihre eigene Stellung gefestigt. Bei ihrer Wahl als Nachfolgerin der in den Bundestag gewechselten Politikerin Dagmar Enkelmann vor zwei Jahren war Kaiser in den eigenen Reihen noch umstritten. Damals hatte sie bei den Fraktionswahlen mit 69 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis überhaupt erhalten. Mittlerweile wird sie als PDS-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2009 gehandelt. Kaiser selbst lässt dies offen.
Neben der Wahl der Fraktionsspitze beriet die Linke auch über ihre Haltung zur Braunkohle. Sie sprach sich einstimmig für einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Braunkohle bis 2050 aus. Zugleich sollen keine neuen Tagebaue mehr erschlossen werden, erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer, Christian Görke. Außerdem habe die Fraktion signalisiert, einen Beschluss des Landesvorstands für die Teilnahme an der von verschiedenen Gruppen geplanten Volksinitiative gegen neue Tagebaue zu unterstützen. Der Landesvorstand will am Samstag in Cottbus über eine Beteiligung an der Initiative entscheiden.