Erst vor wenigen Monaten hatte SPD-Landes- und Regierungschef Matthias Platzeck offenbar mit Blick auf ein mögliches rot-rotes Regierungsbündnis, das wegen der CDU-internen Dauerquerelen ab 2009 auch in der SPD nicht mehr gänzlich ausgeschlossen wird, vor einem Einschwenken der Linkspartei auf den "Krawallkurs" von Oskar Lafontaine gewarnt.

Einmischung verbeten
Derlei Einmischung hat sich Brandenburgs Linkspartei zwar prompt verbeten. Ungeachtet dessen bereiten sich die Genossen de facto seit Längerem systematisch auf Regierungsverantwortung vor. So ist inhaltlich das neue "Leitbild der Regionen" eine Abkehr früherer Fundamental-Opposition und den schwierigen finanzpolitischen wie demografischen Realitäten Brandenburgs angepasst: Da sind weder eine Kreisreform tabu noch eine stärkere Konzentration der Wirtschaftsfördermittel auf weniger Branchen, der Bau des Großflughafens Schönefeld wird nicht infrage gestellt.

Nord oder Kaiser geben Ton an
In der Personalpolitik fällt auf, dass Realpolitiker und Pragmatiker wie Nord oder Kaiser schon lange den Ton in der ersten Reihe angeben. Jüngstes Beispiel: Bei der bevorstehenden Neuwahl der Fraktionsführung der PDS-Wirtschaftspolitiker Ralf Christoffers - der hohes Ansehen in der SPD und in anderen Parteien genießt - als stellvertretenden Fraktionsvorsitzender kandidieren. Der frühere SED-Funktionär Heinz Vietze, der als "graue Eminenz" gilt, zieht sich hingegen als langjähriger parlamentarischer Geschäftsführer zurück.
Im Vorfeld der Fusion von PDS und WASG hatte es in der SPD, aber auch in den Reihen der Linken selbst Befürchtungen gegeben, dass längst überwundene Debatten etwa um Regierungsbeteiligungen erneut geführt werden. Danach sieht es jetzt nicht mehr aus.
Vorführen lassen wie in der rot-roten Koalition in Berlin wolle man sich nicht. Derart klare Töne überraschen durchaus. Zwar galt die Brandenburger WASG im Vergleich zum zerstrittenen Berliner Landesverband mit ihren rund 190 Mitgliedern als berechenbarer und das Verhältnis von WASG und Linkspartei als friedlich. Trotzdem stand auch die Brandenburger WASG eher für einen härteren Oppositionskurs als den der PDS.