Eine Woche nach Beginn der Irak-Offensive betreibt Saddam Hussein jedoch mit den USA weiter sein Katz-und-Maus-Spiel, seine Truppen leisten erbitterten Widerstand und die Nachrichten von gefangenen und getöteten US-Soldaten erschüttern die amerikanische Öffentlichkeit. Der US-Präsident versichert unbeirrt, die US-Truppen machten "gute Fortschritte".
Sollte sich der Krieg allerdings monatelang hinziehen und die Zahl der Opfer dramatisch zunehmen, muss sich George W. Bush darauf gefasst machen, dass ihm die Zustimmung im eigenen Land wegbröckelt und die Proteste im Ausland weiter anschwellen. Zwar hatte Bush die eigene Bevölkerung auf einen langen und verlustreichen Konflikt einzustellen versucht: Die Kampagne könnte "länger und schwieriger werden, als von einigen vorhergesagt". Doch die Erwartungen, dass Saddam Hussein in Windeseile entmachtet werden könne, waren von der US-Regierung selbst geweckt worden: So sagte Vizepräsident Dick Cheney wenige Tage vor Kriegsbeginn, die regulären irakischen Streitkräfte würden vielleicht gar keinen Widerstand leisten - und die gefürchteten Republikanischen Garden "wahrscheinlich zur Seite treten".
Inzwischen wächst in den USA die Kritik an einer Militärstrategie, welche die eigenen Soldaten unnötigen Risiken aussetze. Der Ex-Offizier und Buchautor Ralph Peters wirft dem Pentagon "schwere strategische Fehlkalkulationen" vor. Die Theorie von "shock and awe" sei gescheitert. Denn "egal wie schockiert und eingeschüchtert die irakische Führung sein mag" - die Kapitulation sei für sie keine Option. Peters betonte in der "Washington Post": "Wer aus politischen Gründen antiseptische Kriege führen will, sollte erst gar keinen Krieg anfangen." Nachdem die Hoffnungen der USA auf einen "sauberen" Krieg zerschmettert sind, könnte der Militäreinsatz in einer blutigen Schlacht um Bagdad münden, wo mit erbittertem Widerstand der Republikanischen Garden zu rechnen ist. Das Kalkül der i rakischen Führung läuft offenbar darauf hinaus, die Angreifer in einen Häuserkampf in der Hauptstadt zu verwickeln, in der die technologische Überlegenheit der US-Truppen nicht mehr voll ausgespielt werden könnte. Hohe Verluste unter Soldaten und Zivilisten wären schwer zu vermeiden - und die weltweiten Proteste gegen den Krieg würden weiter angeheizt. Was die US-Regierung alarmieren muss, ist, dass sie an der Propagandafront bereits in der Defensive ist. In den USA scheint die Zustimmung der Bevölkerung zum Krieg instabil. In einer Umfrage vom Wochenanfang unterstützten zwar 72 Prozent den Krieg - doch nur 38 Prozent meinten, die Offensive "läuft gut".