Als die erste Hochrechnung über die große Leinwand im Regine-Hildebrandt-Haus der Brandenburger SPD in Potsdam flimmert, herrscht betretenes Schweigen. Knapp über 15 Prozent, so hatten sich die Sozialdemokraten den Wahlabend ganz sicher nicht vorgestellt. Erst, als die gestiegene Wahlbeteiligung angezeigt wurde, gibt es verhaltenen Applaus.

Als Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke eine halbe Stunde später den Raum betritt, kommt er auch sofort zur Sache. „Das Ergebnis heute ist ein schlechtes Ergebnis für die SPD“, sagt Woidke. „Wir werden dieses Ergebnis auszuwerten haben, und zwar sehr intensiv.“

Europawahl-Verlust: SPD Brandenburg blickt bereits auf Landtagswahl 2019

Der Anspruch der SPD müsse sein, auf der Bundesebene über 20 Prozent zu kommen. Man müsse bei bundesweiten Wahlen die führende Partei sein. „Ich glaube, dass die Wahl heute ein schlechtes Ergebnis hat, aber wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen, auch eine gute Basis für die kommenden Wahlkämpfe sein kann“, sagte Woidke.

„Ich glaube, dass wir in Brandenburg am 1. September die stärkste Partei sein können.“ Er sei weiter fest davon überzeugt, dass die Brandenburger SPD gut aufgestellt sei.

Doch je länger der Wahlabend dauert, desto mehr spricht sich im Potsdam herum, wie stark die Alternative für Deutschland (AfD) bei der Europawahl abgeschnitten hat.

„Das ist eine Katastrophe“, sagte die Landesvorsitzende der Grünen, Ursula Nonnemacher, auf der Wahlparty ihrer Partei in der Potsdamer Studentenkneipe Hawthorn. Zwischen Sonnenschirmen und Bierzeltbänken hat die Partei ihre Anhänger versammelt .

Grüne in Brandenburg: Zufrieden mit Europawahl-Ergebnis

Die Stimmung ist gut, würde der blaue Balken nicht immer weiter hochgehen. „Für uns Grüne ist es ein tolles Ergebnis“, sagte Nonnemacher. „Aber die Ergebnisse der AfD sind erschreckend.“

Gemischte Gefühle gibt es am Sonntag auch bei den Linken. Die Partei hatte im Hof des Lothar-Bisky-Hauses zu einem Grillfest eingeladen.

Es gibt Cuba Libre, und Liedermacher bringen Arbeitermelodien zu Gehör. Auf einer Bierzeltbank sitzt der Europaabgeordnete Helmut Scholz. Er ist auf Listenplatz vier angetreten, wird wiedergewählt. „Aber das Ergebnis ist nicht das, was wir erwartet haben.“

CDU-Brandenburg: Europaabgeordneter Christian Ehler muss zittern

Und auch bei der CDU wird am Sonntagabend noch gezittert. „Wenn wir wirklich acht Mandate verlieren, ist das Mandat weg“, sagte deren Europaabgeordneter Christian Ehler bei der Wahlparty des CDU-Landesverbands in Potsdam.

Das würde bedeuten, dass aus Brandenburg nur der Linken-Abgeordnete Helmut Scholz und die Grüne Ska Keller im Europa-Parlament säßen. Auch der Landesvorsitzende Ingo Senftleben hätte sich ein besseres Ergebnis gewünscht.

„In Brandenburg ist auch klar, dass die Europawahl eine Möglichkeit zur Protestwahl war“, sagte Senftleben. Am frühen Abend hoffte er, dass die CDU noch stärkste Partei werden könne. Enttäuscht zeigte er sich vom starken Abschneiden der AfD.

„Wir müssen analysieren, woran das liegt“, sagte Senftleben. „Ich kann immer nur wieder darauf hinweisen: Wir haben uns als Politik in den vergangenen Jahren zu wenig an den Stammtischen bei den Menschen blicken lassen, wir haben den Menschen zu wenig zugehört.“ Das müsse man künftig ernster nehmen.

AfD-Chef Kalbitz in Brandenburg: Quittung für Altparteien

Und die AfD? Der große Wahlsieger des Abends hat auf eine landesweite Wahlparty in Potsdam verzichtet. Der Landesvorsitzende Andreas Kalbitz ist zur bundesweiten Feier nach Berlin gefahren. „Es gibt keinen Zweifel: Die AfD ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Kalbitz dort.

„Die Altparteien – allen voran die Splitterpartei SPD - bekommen Ihre Quittung für jahrzehntelanges Unvermögen und Unfähigkeit.“ In der Uckermark würde man sicher die stärkste Kraft, viele andere Kreise würden folgen. „Mit ordentlichem Rückenwind freue ich mich jetzt auf die Landtagswahl am 1. September.“