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| 19:33 Uhr

Brandenburg
Von Überraschung bis Anerkennung für Quereinsteiger

Wolfgang  Krüger (IHK)
Wolfgang Krüger (IHK) FOTO: Michael Helbig
Potsam/Cottbus. Reaktionen auf die Ernennung von Jörg Steinbach als designierten Wirtschaftsminister Brandenburgs Von Benjamin Lassiwe und Christian Taubert

Mit der Ernennung des Cottbuser BTU-Präsidenten Professor Jörg Steinbach zum designierten Wirtschaftsminister Brandenburgs hat Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) für eine Überraschung gesorgt. Er selbst charakterisierte Steinbach als einen Mann, der für Innovation, Kompetenz und Expertise stehe. Die ersten Reaktionen auf den Coup des SPD-Landeschefs fallen differenziert aus:

So erklärte Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger, es sei „ein wichtiges Signal für die Lausitz, dass mit Professor Steinbach ein exzellenter Kenner der Region und des Strukturwandels zum Minister berufen wurde.“ Er werde die engagierte Arbeit des scheidenden Ministers Albrecht Gerber für tragfähige wirtschaftliche Perspektiven in Südbrandenburg fortsetzen.

Dagegen kritisierte René Schuster von der Grünen Liga, dass Steinbach ein Aufsichtsratsmandat bei der Bergbaugesellschaft Leag habe. „Wir erwarten nicht nur, dass Jörg Steinbach umgehend seinen Aufsichtsratsposten aufgibt, sondern auch, dass künftige BTU-Präsidenten diesen Interessenskonflikt konsequent vermeiden“, so Schuster. „Für einen erfolgreichen Strukturwandel braucht die Lausitz eine unabhängige Wissenschaft.“

Holger Kelch, OB von Cottbus
Holger Kelch, OB von Cottbus FOTO: dpa / Patrick Pleul

Der Spremberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese nennt Steinbach Nominierung „einen positiven Paukenschlag“. Die Wahl sei auf einen Mann gefallen, der sich in Wissenschaft und Wirtschaft auskenne. Freese erkenne das klare Signal der Landespolitik, dass Brandenburg weiter ein Industrieland bleiben werde.

Während der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hofft, „dass Prof. Jörg Steinbach in seiner neuen Aufgabe als Wirtschaftsminister Brandenburgs Cottbus nicht aus dem Blick verliert“, betont der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus Knut Deutscher: Jörg Steinbach habe mit der Zusammenführung der BTU Cottbus-Senftenberg bewiesen, „dass es ihm gelingt, Strukturen aufzubrechen, positiv zu gestalten, Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und neue Ziele umzusetzen“. Er kenne die Herausforderungen und Erwartungen an den Strukturwandel, vor dem die Region steht.

Axel Vogel, Landtagsfraktionschef der Grünen.
Axel Vogel, Landtagsfraktionschef der Grünen. FOTO: Bernd Settnik

Der Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion Axel Vogel räumt ein, „dass diese Personalie zwar eine Überraschung ist“. Sie deute aber zunächst keinen grundlegenden Wandel in der Wirtschafts- und Energiepolitik der Brandenburger SPD an. „Dass Steinbach Quereinsteiger in der Politik ist, ist Chance und Risiko zugleich“, sagt Vogel. Es bleibte abzuwarten, ob er für das verbleibende Jahr noch neue Akzente setzen könne.