Mehr als vier Stunden dauerte am Montagnachmittag eine Sitzung des Aufsichtsrates im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK). Dann stand fest, der vor zwei Wochen beurlaubte Geschäftsführer Andreas Brakmann kehrt nicht an seinen Schreibtisch zurück. Ihm wurde fristlos gekündigt. Über die Gründe hüllt sich die Stadt Cottbus als alleinige Eigentümerin in Schweigen.

Nach RUNDSCHAU-Recherchen soll es um unkorrekte Auftragsvergaben gehen. Eine Kontrolle des städtischen Rechnungsprüfungsamtes hatte dafür Hinweise geliefert. Die scheinen sich nun erhärtet zu haben. Brakmann war sich offenbar sehr sicher, an seinen Schreibtisch zurückzukehren. Drei Tage nach seiner Beurlaubung soll er bei einem Cottbuser Autohaus noch einen bestellten neuen Dienstwagen abgeholt haben. Den wird er nun wieder los.

Brakmann ist der zweite Geschäftsführer, der innerhalb von wenigen Jahren vom Aufsichtsrat des kommunalen Großklinikums in Cottbus vorzeitig vor die Tür gesetzt wird. Im September 2013 war die damalige Geschäftsführerin Heidrun Grünewald nach zehn Jahren Tätigkeit als CTK-Geschäftsführerin nach Hause geschickt worden. Aus einem Streit um ein neues Bereitschaftsdienstmodell in der Notaufnahme war es zu einem offenen Aufruhr einiger Chefärzte gegen Grünewald gekommen. Sie kritisierten den autoritären Führungsstil der CTK-Chefin. Doch damals fehlten offenbar harte Fakten, die eine Auflösung des Geschäftsführervertrages gerechtfertigt hätten.

Im Februar 2014 einigte sich die Stadt mit Grünewald auf eine einvernehmliche Lösung des Vertrages, der bis Ende 2016 galt. Die ausstehenden Bezüge für die Restlaufzeit, die Grünewald ausgezahlt werden mussten, sollen rund eine halbe Million Euro betragen haben. Sollten die Vorwürfe gegen Brakmann nicht gerichtsfest sein, könnte es für die Stadt Cottbus erneut teuer werden. Brakmanns Anstellungsvertrag soll bis Ende 2017 gelten.

Die erneute Pleite mit einem CTK-Geschäftsführer wirft die Frage nach der Verantwortung des Aufsichtsrates auf. Denn Brakmann wird neben dem Verdacht auf Verfehlungen bei Auftragsvergaben mehr noch als seiner Vorgängerin autoritäre Führung nachgesagt. Mehrere anerkannte Fachärzte hatten dem CTK nach Brakmanns Dienstantritt den Rücken gekehrt.