Raus aus dem Bahnhof, mit dem 16er-Bus zur Uni, Vorlesung und am Abend zurück nach Berlin. Die BTU Cottbus ist für viele Studenten aus dem Umland der Hauptstadt eine ideale Pendleruni. Schade eigentlich, dachten sich die angehenden Ingenieure Leroy Range, Willi Jeske und Tim Schulze und gingen auf Ideensuche, um Studierende und Innenstadt zusammenzubringen. „Die Leute aus meinem Jahrgang sind zum Studieren lieber nach Dresden oder Berlin gegangen. Aber für mich war klar: Wir haben hier die Universität, hier bleibe ich“, erzählt der Cottbuser Tim Schulze (21).

Wie der Bauingenieur im dritten Semester stellten auch die Berliner Leroy Range (21) und Willi Jeske (21) fest, dass vor den Toren der BTU statt vermeintlich grauer Plattenbauten eine „gemütliche Stadt“ liegt. „Wir wollten etwas für die Stadt tun“, erklärt Willi Jeske. Mit dem im vergangenen Jahr offiziell gegründeten Cottbuser SIFE-Team fand der Student des Wirtschaftsingenieurwesens den passenden Rahmen. SIFE steht für „Students in Free Enterprise“, für Studierende, die in der freien Wirtschaft praktische Erfahrung zum theoretischen Universitätswissen sammeln. Die Projekte der Studenteninitiative sollen nachhaltig dem „Wohl der Allgemeinheit“ dienen, wie Teamleiter Tim Schulze erklärt, und Hochschule, Wirtschaft und Region enger vernetzen. Die 25 Mitglieder starke Cottbuser Gruppe ist eine von derzeit 33 an deutschen Unis, darunter die Technischen Universitäten Dresden und Freiberg. Der Initiative gehören rund 1800 Hochschulen in mehr als 47 Ländern an.

Im Sinne des SIFE-Mottos „wirtschaftliche Chancen für andere schaffen“, gingen die BTU-Studenten gleich mehrere Projekte an. „Im vergangenen Jahr ist der Cottbuser Postkutscher gestorben, damit fiel eine echte Touristenattraktion weg“, sagt Leroy Range. Die Stadtführung des Cottbuser Nachtwächters, die sie im Mai 2011 ins Leben riefen, füllt seitdem die Lücke des touristischen Angebots. Beachtung fand das Projekt beim jährlichen Landeswettbewerb der deutschen SIFE-Gruppen. In Bonn vertraten die Cottbuser Studenten an ihrem Stand die Lausitzmetropole stilecht mit Postkutscher-Keksen und Ortsschild-Tüte. Auch wenn es für eine Platzierung nicht reichte, haben die SIFE-Mitglieder auf anderem Parkett Punkte gesammelt: „Es entstehen durch die Wettbewerbe gute Beziehungen zu Wirtschaftsunternehmen, man lernt offene Leute kennen und knüpft Kontakte“, so Tim Schulze. Dieses Netzwerk der Cottbuser soll künftig internationaler werden. Willi Jeske: „Eines unserer Mitglieder ist zurzeit in Schanghai, mit der Uni dort möchten wir uns stärker vernetzen.“

Bis dahin gibt es in Cottbus noch genug zu tun. Bereits seit März dieses Jahres läuft ein Rabattprojekt für Studierende: „Wir wollen erreichen, dass die Studenten in die Läden der Innenstadt kommen“, sagt Tim Schulze. Mit Plakaten, Flyern und Rabatt gegen vorgezeigten Studentenausweis sollen die Käufer gelockt werden – bislang mit Erfolg, wie Schulze versichert.

Für jedes Projekt gehen die unentgeltlich arbeitenden SIFE-Teams auf Sponsorensuche bei regionalen Firmen oder Großkonzernen, die auch bundesweit die Initiativen unterstützen. Mit Geschäftsideen für Kleinstunternehmen will das Team auch für arbeitslose Cottbuser Perspektiven schaffen. „Wir freuen uns über jeden, der uns auf ein Projekt aufmerksam macht, das wir unterstützen können“, sagt Willi Jeske.

Für die Nachtwächter-Führungen steht demnächst eine Expansion ins Haus: Ab Dezember wird ein zweiter Gästeführer Besucher für Cottbus begeistern – die gemütliche Stadt vor den Toren der BTU.

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