Der passionierte Raucher Franz Müntefering (SPD) hat es künftig schwer. In den Ministerien soll das Rauchen verboten werden. Der Vizekanzler hat den Plänen selbst zugestimmt. "Der Kampf ist verloren", soll der Arbeitsminister vor kurzem scherzhaft gesagt haben. Das Rauchen soll aus Bundesbehörden und aus öffentlichen Bussen und Bahnen verbannt werden. Allerdings gibt es für Müntefering Lichtblicke: In abgetrennten Nebenräumen und (Bier-)Zelten ist der Qualm gestattet. Schon vor Wochen hatte Müntefering gescherzt, er werde ein Zelt in den Innenhof seines Ministeriums stellen und dort mit den Genossen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und SPD-Fraktionschef Peter Struck dem Tabak frönen.

Dem Passivrauchen dem Kampf ansagen
Zwei andere am Kabinettstisch, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU), haben mit dem Rauchverbot ein weiteres Mal gemeinsame Sache gemacht. Unvergessen ist der Kompromiss der Gesundheitsreform 2003. Gesundheitsexperte Seehofer sprach damals von "einer der schöneren Nächte" mit Ulla Schmidt. Beide betonten gestern, dem Passivrauchen müsse der Kampf angesagt werden. Doch der Optimismus der beiden geht nicht so weit, dass der Raucheranteil in der Koalition auf Null gehen könnte. "Das können Sie in der Koalition nicht vereinbaren", sagte Seehofer.

"Ein Stück wiedergewonnene Freiheit"
Seehofer und Schmidt machten am Beispiel von Struck deutlich, was den Pfeifenraucher künftig erwartet, wenn das Gesetz planmäßig zum 1. September in Kraft treten sollte und er rauchen will: "Er muss auf die Straße gehen." In seinem eigenen Ministerium muss Seehofer offensichtlich noch einige bekehren: "Ich habe in meinem Haus noch Überzeugungsarbeit zu leisten." Ulla Schmidt hat selbst einmal geraucht und ist seit mehreren Jahren Nichtraucherin. "Das war für mich ein Stück wiedergewonnene Freiheit", sagte sie.
Mit der Freiheit ist es auch für die Raucher unter den rund fünf Millionen Bahn-Fahrern bald nicht mehr so bestellt wie bisher. Zum guten Zug gehört es dann, die Zigarette gar nicht erst anzuzünden. Wer es dennoch macht, dem droht ein Bußgeld, denn Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat signalisiert, dass alle Züge rauchfrei werden sollen. Seehofer sieht Deutschland mit den Rauchverbotsplänen wieder in der Spitzengruppe Europas. "Hier waren wir Schlusslicht."
Was die rauchenden Kneipengänger künftig erwartet, ist offen. Die Ministerpräsidenten entscheiden darüber am 22. März. Die Gesundheitsminister hatten sich darauf geeinigt, dass das Rauchen in der Gastronomie grundsätzlich verboten und nur in separaten Räumen erlaubt sein soll. "Es geht nicht um die Diskriminierung eines Lebensstils", betonte Seehofer und warb für ein umfassendes Verbot. Bei einer Sache lässt der Bayer, der im September Nachfolger von CSU-Chef Edmund Stoiber werden will, aber nicht mit sich verhandeln: In bayerischen Bierzelten soll der Glimmstängel noch erlaubt sein. "Lassen wir mal die Kirche im Dorf und die Tassen im Schrank."