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Raubkunst-Bücher in Bautzen entdeckt

Hermann Tietz war Namensgeber und Finanzier der vom Neffen Oscar gegründeten Läden.
Hermann Tietz war Namensgeber und Finanzier der vom Neffen Oscar gegründeten Läden. FOTO: Hertie
Bautzen. Teile der bisher in Russland vermuteten bedeutenden Büchersammlung der jüdischen Unternehmerfamilie Edith und Georg Tietz sind in der Stadtbibliothek in Bautzen gefunden worden. Sie wurden im Zusammenhang mit Recherchen zu NS-Raubgut identifiziert. Bodo Baumert

Mehr als 80 Jahre ist es her, dass Nazis die jüdische Unternehmerfamilie Tietz, Besitzer der Warenhauskette Hertie, enteigneten. Die Büchersammlung der Familie, 1944 durch das Reichsinnenministerium erworben, galt seit Kriegsende als verschollen. Die Bestände wurden als Raubkunst in Russland vermutet. Wo? Das wusste niemand.

Bis jetzt. Im Rahmen der Provenienzforschung in der Stadtbibliothek Bautzen ist der Wissenschaftler Robert Langer auf einen Teil der Bücher gestoßen. Recherchen zur NS-Raubkunst, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, führten auf die Spur der Bücher. Am kommenden Montag sollen die Funde im Rahmen einer Pressekonferenz in Bautzen der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Vermutlich wurden die Bücher 1944 in einem Außenlager des Reichsinnenministeriums in Bautzen gelagert und sind später ohne Prüfung in den Bestand der Bibliothek übernommen worden.

Die Firma der Nachfahren der "Hermann Tietz & Co. Warenhäuser" (Hertie) wurde von den Nazis "arisiert", 1934 drängten sie die Brüder Georg und Martin Tietz sowie deren Schwager Hugo Zwillenberg aus der Firmenleitung. Der Familienbesitz wurde beschlagnahmt, später versteigert und verkauft.

Nach dem Krieg konnte Hertie wieder Teile seiner Warenhäuser in Westdeutschland eröffnen, darunter das Kaufhaus des Westens (KdW) in Berlin. 1994 ging die Firma im Karstadt-Konzern auf.