Ein mediales Großprojekt - und zwei Minuten von "Kameramann" Wowereit sind mit auf den Speicherkarten.
Rathaus, Klassenzimmer, Krematorium und Schlafzimmer: Die Aufnahmen dieses "ganz normalen Tages im Leben der Hauptstadt", so die Idee von Regisseur Volker Heise ("Schwarzwaldhaus 1902"), sollen unter dem Titel "24h Berlin" genau ein Jahr nach dem Drehtag als 24-stündiges Dauerprogramm im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), auf Arte, im finnischen und israelischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Nach Walther Ruttmanns "Berlin. Die Sinfonie der Großstadt" (1927) eine neue Dokumentation, die das Leben in der Hauptstadt authentisch festhalten will.
Im Hauptquartier der Produktionsfirma zero one film füllt ein riesiges Organigramm fast eine ganze Wand. Produzenten, Aufnahmeleiter, Kameraleute, Regisseure und Techniker sind miteinander vernetzt. Mehr als 420 Beteiligte machen "24h Berlin" zu einem logistischen Kraftakt: 6.22 Uhr Sonnenaufgang am Funkturm, 7.00 Uhr in einer kleinen Bäckerei, dann Berufsverkehr am Ostkreuz. Um 6.00 Uhr sind schon 50 Teams im Einsatz. "Das Aufwachen von Berlin war ein toller Einstieg", sagt Johannes Unger, Projektleiter vom RBB. Mehr als 1000 Stunden Drehzeit aus dem gesamten Stadtgebiet sollen über den Tag zusammenkommen.
Intensiv haben fast 80 Regisseure mit ihren Hauptdarstellern gearbeitet, Vertrauen aufgebaut. "Einige lassen uns sogar ins Schlafzimmer", erklärt Produzent Thomas Kufus. "Die Liebe ist ja schließlich ein Teil so eines Berliner Tages." So weit wollte sich Klaus Wowereit dann doch nicht in den Alltag schauen lassen: Ihn durfte das Team bei der Arbeit begleiten. "Und beim Gespräch mit Frau Merkel heute früh hab' ich mich abgekoppelt", erzählt der Regierende Bürgermeister, bevor er auf der Pressekonferenz selbst zur Kamera greift.
Nicht nur Profifilme werden den Charakter des medialen Großprojekts "24h Berlin" bestimmen. An zwölf "Talk points" in der Stadt erzählten zahlreiche Passanten von ihrem Tag in der Hauptstadt. Dazu kommen Amateurfilme, die zero one film im Internet sammelt. "Das alles zusammen ist ein einmaliges Projekt", sagte Wowereit. Er hoffe nur, "dass die Regisseure den Mut haben, auch Langeweile ins Programm mit aufzunehmen". In Berlin passiere zwar viel, "wenn es authentisch sein soll, gehört die andere Seite aber auch dazu".