Knöllchen spülen Brandenburgs Kommunen und dem Land jährlich Millionen in die Kassen. Einträglich ist dabei besonders das Blitzen, wie eine Umfrage bei verschiedenen brandenburgischen Städten ergab. Allein die Landeshauptstadt nahm im Jahr 2012 bis Ende November 865 000 Euro von Temposündern ein, wie ein Sprecher in Potsdam mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 1,1 Millionen Euro.

Dazu kommen die Verwarngelder für Falschparker. Diese werden ab April 2013 um jeweils fünf Euro erhöht. "Das ist nur gerecht. Bislang waren die Parktickets teilweise teurer als das zu erwartende Verwarngeld", sagte der Sprecher. Die Stadt Potsdam kassierte in diesem Jahr bis Ende November rund 1,2 Millionen Euro von Parksündern.

Der ADAC Berlin-Brandenburg sieht aber vor allem die verstärkten Geschwindigkeitskontrollen in vielen Städten kritisch. "Der Verdacht liegt nahe, dass das Tempo nicht nur dort überwacht wird, wo im Sinne der Verkehrssicherheit ein erhöhtes Gefahrenpotenzial besteht", sagte Sprecher Jörg Becker. Vielmehr habe er die Vermutung, dass auch dort geblitzt würde, wo mit hohen Einnahmen zu rechnen ist. In seinen Augen sollten die Kontrollen nicht nach der Wahrscheinlichkeit für besonders hohe Bußgelderträge, sondern nach erzieherischer Wirkung erfolgen.

Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes in Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher, weist derartige Vermutungen zurück. "Niemand ist daran interessiert, eine große Abzocke zu veranstalten", sagte er. Die Kontrollen würden nur durchgeführt, um die allgemeine Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten. Schließlich würden durch Verstöße wie zu schnelles Fahren oder Parken im Kreuzungsbereich auch andere Menschen beeinträchtigt.

Zudem sei es nicht richtig, dass die Städte ihre Haushalte "mächtig" aufbesserten: Vielmehr stünden den Einnahmen durch Buß- und Verwarngelder ja auch Ausgaben gegenüber. Das betreffe beispielsweise die Gehälter der Politessen und Ordnungsamtsmitarbeiter, aber auch technische Anlagen wie die Blitzer. "Das Ganze ist also im Grunde ein Nullsummenspiel", so Böttcher.

Nach Angaben des Ordnungsamtes in Cottbus gibt es keine verstärkten Kontrollen. "Geschwindigkeitsüberwachungen sollen die Sicherheit im Verkehr gewährleisten. Den Effekt sehen wir an der Abnahme von Verkehrsunfällen", erklärte Martin Gransalke vom Fachbereich für Ordnung und Sicherheit bei der Cottbuser Stadtverwaltung. Im vergangenen Jahr sprach die Stadt 48 693 Verwarn- und Bußgelder wegen zu schnellen Fahrens aus. Zur Höhe der Gesamteinnahmen inklusive der Knöllchen für Falschparker machte die Stadt keine Angaben. Das Internetportal preisvergleich.de schätzte diese jedoch in einer Hochrechnung für 2011 auf etwa 1,58 Millionen Euro. Die Stadt Frankfurt (Oder) hat im Jahr 2012 bis Anfang Dezember 1,1 Millionen Euro von Verkehrssündern kassiert. In Brandenburg an der Havel waren es bis Ende September 1,2 Millionen Euro, davon 64 Prozent durch Blitzer. "Die Disziplin der Verkehrsteilnehmer ist zurückgegangen", so Städtebund-Geschäftsführer Böttcher.