Für die Umsetzung von Rapper-Rhythmen in sinfonische Klänge haben sich die Veranstalter mit der Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie zusammengetan. In einem etwa eineinhalbstündigen Programm wird die Créme de la Créme des deutschen Hip-Hop mit etwa 60 Orchestermusikern gemeinsam auftreten.
Der Klangkörper begleitet die sich auf der Bühne abwechselnden Rapper Samy Deluxe, Beginner, Curse, Tefla & Jaleel, Azad, Toni L, Torch und Spezializtz zu ihren Songs. Am Ende soll ein etwa 15-minütiges gemeinsames Stück folgen.
Seit den „Saitensprüngen“ des Geigers Nigel Kennedy oder den Ausflügen der Münchner oder Londoner Philharmoniker zu Rolling Stones und Pink Floyd ist Rockmusik längst auf Klassikbühnen angekommen. Das Chemnitzer Experiment im Bereich des Hip-Hop sei aber bislang einmalig, betont Splash!-Sprecher Jan Voigtmann. Gleichzeitig sei es das aufwendigste Projekt in der nunmehr neunjährigen Geschichte des Open-Air-Festivals.

Klassische Musik beleben
Die Idee entstand an der Technischen Universität (TU) Chemnitz mit dem Ziel, die Anhänger von Hip-Hop-Kultur und klassischer Musik einander näher zu bringen. Der Lehrstuhl Marketing und Handelsbetriebslehre hatte vor drei Jahren die Bekanntheit und Ausstrahlung der Philharmonie untersucht und festgestellt, dass von 400 befragten Chemnitzern nur 42 Prozent in Konzerte gingen und das Durchschnittsalter der Philharmoniebesucher 52 Jahre beträgt. „Doch die klassische Musik soll mit den älteren Besuchern nicht sterben“ , sagt der Wissenschaftliche Mitarbeiter Jan Drengner. Die Philharmonie müsse deshalb „raus dem Orchestergraben“ .
In einer anderen TU-Studie wurde 2005 die Wirkung des Splash!-Festivals auf die Chemnitzer analysiert. Immerhin 80 Prozent der Befragten fanden das jahrelang nicht unumstrittene Ereignis gut für die Stadt und wollten, dass es weiter in Chemnitz bleibt. Infolge der Kontakte von TU und der splash! Entertainment AG entstand schließlich das Projekt, bei dem alle Beteiligten neue Wege einschlugen. „Wir waren sofort Feuer und Flamme, denn wir sind immer interessiert an hochkarätiger Musik“ , sagt Voigtmann. Der als „harter“ Rapper geltende Curse war mit dem sparsamen Kommentar „Cool!“ spontan begeistert und sagte als Erster zu.
Musikalischer Kopf ist der Chemnitzer Musiker, Dirigent und Arrangeur Steffan Clausner. Er hat den Streichern und Bläsern neue Noten auf den Leib geschrieben und die Proben geleitet. „Viele elektronische Sounds sind interessant für ein philharmonisches Orchester“ , ist seine Erfahrung. Die Schwierigkeit bestand darin, aus den Originalsongs der Hip-Hop-Künstler eine für das Orchester spielbare Partitur zu entwickeln und Vokalpassagen einzubauen.

Innovatives Projekt
Auch die Musiker mussten nach Aussage ihres Sprechers Jörg Scholz nicht lange gebeten werden. Die fünf Dutzend Mitwirkenden unterbrechen sogar ihren Urlaub. „Wir wollten in unserer bald 175-jährigen Geschichte mal was machen, was es noch nicht gibt. Im Sommer ist nun mal das Splash! der Hit in Chemnitz.“ Scholz ist überzeugt, dass das Projekt gut für die Öffentlichkeit, für die Kultur, für die Innovation in der Stadt ist. „Wenn wir solche extremen Sachen nicht machen, warten 100 andere“ , sagt der Kontrabassist.