Dies wird verschärft durch die anhaltende Abwanderung aus den Randregionen, die einen Anteil von 20 Prozent an den drohenden Einwohnerverlusten ausmacht. Schönbohm: „Die demographische Entwicklung ist die größte Herausforderung für Brandenburg seit der deutschen Einheit.“ Zugleich widersprach Birthler Staatskanzleichef Rainer Speer, der vor einer drohenden „Verelendung der Randregionen“ gewarnt hatte. Er verwies auf skandinavische Länder mit extrem dünn besiedelten Gegenden, die trotzdem attraktiv und lebenswert seien. „Allerdings kann nicht mehr jedes Dorf gefördert werden“, so Birthler.
Die Landesregierung korrigierte mit einem 170-Seiten-Band auch frühere Prognosen aus dem Jahr 2001, die bis zum Jahr 2015 einen Verlust von 176 000 Menschen in den Randregionen erwartet hatten – jetzt sind es 68 000 mehr. Entgegen den Erwartungen sei die Abwanderung in die alten Bundesländer in den letzten Jahren angestiegen und der Zuzug aus Berlin geringer geworden, nannte Christiane Siegmund, Vize-Direktorin des statistischen Landesbetriebes, als die Hauptgründe.
Nach der neuen Prognose werden sich die Gegensätze zwischen „Speckgürtel“ und Randregionen – schon jetzt ein Sozialgefälle – noch stärker verschärfen. Im Jahr 2020 werden 42 Prozent der Brandenburger im Berliner Umland leben, auf 15 Prozent der Landesfläche. Während hier die Bevölkerungsdichte von jetzt 214 auf 227 Einwohner je Quadratkilometer steigen wird, leben in den Randregionen dann voraussichtlich nur noch 56 Einwohner pro Quadratkilometer. Schönbohm deutete an, dass dies Auswirkungen auf die Förderpolitik haben müsse. Bislang fließt nach dem Prinzip der Dezentralen Konzentration das Gros der Fördermittel in die Randregionen.
Während in den nächsten Jahren nur noch die Speckgürtel-Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark und Oberhavel mit einer stabilen Bevölkerungszahl rechnen können, verlieren die anderen Landkreise mindestens jeden zehnten Einwohner. Besonders dramatisch wird die Situation in den Landkreisen Uckermark, Prignitz und Oberspreewald-Lausitz, die sich sogar auf Bevölkerungsrückgänge um 16 bis 18 Prozent einstellen müssen. Dies habe, so die Prognose, „destabilisierende Auswirkungen auf die Auslastung von infrastrukturellen Einrichtungen“.
Nach der Prognose wird das Land Brandenburg (jetzt rund 2,5 Millionen Einwohner) insgesamt bis zum Jahr 2020 rund 182 000 Einwohner verlieren. Dass die Zahl nicht noch höher ausfällt, hat einen Grund: Die Experten rechnen damit, dass bis dahin rund 130 000 Berliner nach Brandenburg ziehen – ins Umland.

Hintergrund Abwanderung aus Städten
 Auch die größeren Städte der Randregionen bleiben von dem Bevölkerungsschwund nicht verschont. Die Havelstadt Brandenburg (heute 76 000 Einwohner) wird 2020 laut Prognose nur noch 65 000 Einwohner haben – wie eine Kleinstadt. Frankfurt/Oder schrumpft auf 59 000 Einwohner, Cottbus (das 2001 noch 105 000 Einwohner hatte) auf 87 000. Einziger Gewinner wird die Landeshauptstadt Potsdam sein, deren Einwohnerzahl von 130 000 auf 149 000 steigen soll – mehr als zu DDR-Zeiten.