In Deutschland tragen nach statistischen Erhebungen etwa neun Prozent der Radfahrer einen Helm. Diese Quote ist für den Verkehrsminister bedeutend zu gering. In Berlin hat er am Dienstag klar gemacht: Wenn sich der Anteil der Radler, die einen Kopfschutz tragen, in den kommenden Jahren nicht auf weit über 50 Prozent erhöht, „dann muss man fast zu einer Helmpflicht kommen“.

Für den Fahrradhändler Sieghard Engel aus Guben (Spree-Neiße) gehört der Helm seit Jahren zum sicheren Radfahren. „Mir fällt schon auf, dass immer mehr Leute den Helm nutzen – auch wenn sie nur mit dem Rad zur Arbeit fahren“, sagt Engel. Sicher aber seien es noch viel zu wenige, „deshalb bin ich für eine Helmpflicht“. Dafür plädiert seit Jahren auch der Cottbuser Rad-Olympiasieger Lutz Heßlich. Er selbst setze sich nie ohne Helm aufs Fahrrad. Seine Begründung: „Das eine Mal ohne Kopfschutz kann schon zum Verhängnis werden.“

Diese Auffassung teilen auch Neurochirurgen am Cottbuser Carl-Thiem-Klinkum um Chefarzt Dr. Carsten Schoof. Denn bei Fahrradunfällen ohne Helm gebe es oft schwere Kopfverletzungen. „Deshalb wäre eine Helmpflicht wünschenswert“, betont Assistenzarzt Michael Stieber. Nach Angaben von Minister Ramsauer habe jeder zweite tödliche Fahrradunfall mit schweren Kopfverletzungen zu tun.

Nach Daten des Statistischen Bundesamts kamen im vergangenen Jahr in Deutschland 381 Fahrradfahrer ums Leben. Unterdessen lehnt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) eine Helmpflicht ab. Aus dessen Sicht würde sie dazu führen, dass weniger Menschen das Rad nutzten und damit „alles noch gefährlicher wird“, sagte eine Sprecherin.