Nach einer Dringlichkeitssitzung von Ministerpräsident Ehud Olmert mit der Militärspitze teilte die israelische Regierung gestern mit, die Streitkräfte würden gezielte Militärschläge gegen die an den Raketenangriffen beteiligten Palästinenser wieder aufnehmen. Militante Palästinensergruppen drohten daraufhin mit einer Verschärfung ihrer Angriffe.
Israel werde "die Waffenruhe gleichzeitig weiter einhalten und gegenüber der Palästinenserbehörde so vorgehen, dass sie unverzüglich Maßnahmen ergreift, um den Abschuss von Kassam-Raketen zu stoppen", hieß es in der Erklärung weiter.

60 Anschläge trotz Waffenruhe
Bislang hatte Israel von einer militärischen Reaktion auf die mehr als 60 Raketenangriffe seit Beginn der Waffenruhe am 26. November abgesehen. Doch am Dienstagabend waren beim Einschlag einer palästinensischen Rakete in der Stadt Sderot zwei 14-Jährige schwer verletzt worden. Olmert geriet daraufhin politisch unter Druck, die Politik der Zurückhaltung aufzugeben.
Der israelische Rundfunk berichtete unterdessen, Israel werde eine Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen um eine Woche verschieben. Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den viele Palästinenser - nicht nur Hamas-Anhänger - unterdessen als Wasserträger für Israel und die USA sehen, hatten bei ihrem Treffen am Samstagabend unter anderem vereinbart, dass Israel mehr als zwei Dutzend Straßensperren im Westjordanland aufheben werde. Ein Berater von Abbas warnte, die israelische Entscheidung werde die Ergebnisse des jüngsten Treffens mit Olmert "negativ beeinflussen".
Radikale Palästinenserorganisationen kündigten nach der israelischen Entscheidung mehr Attacken an. "Die Angriffe (Israels) im Westjordanland und Gazastreifen müssen sofort gestoppt werden, sonst sind mehr Raketen auf Sderot und Aschkelon und darüber hinaus zu erwarten", lautete die Warnung in einem Flugblatt der militärischen Abteilung des Dschihads, Saraja al-Kuds.

Drohung der Al-Aksa-Brigaden
"Es wird keine Waffenruhe mit dem israelischen Feind auf Kosten des Blutes unseres Volkes geben", erklärten die Al-Aksa-Brigaden, die zur Fatah von Abbas gehören.
Bei einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo erörterte Abbas gestern die Ergebnisse seiner Begegnung mit Olmert. Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit traf anschließend in Israel mit Olmert zusammen. Thema waren die Bemühungen um eine Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit, der nach Gheits Angaben am Leben ist, sowie ein Treffen zwischen Mubarak und Olmert. Bei dem Gespräch am 4. Januar im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich wollen beide Politiker über die jüngsten Entwicklungen in der Region beraten. (dpa/ta)