Nach Medienangaben sind sich Petraeus und sein Vorgesetzter Admiral William Fallon uneinig über die Strategie im Irak. Fallon war nach Angaben der „Washington Post“ gegen die Entsendung von 30 000 weiteren Soldaten in diesem Jahr. Ein US-Friedensinstitut forderte gester in einem Bericht eine Halbierung der Truppen in den kommenden drei Jahren.

Petraeus wird bis morgen vor dem Kongress aussagen. Neben ihm wird auch der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, den Abgeordneten Bericht erstatten. US-Präsident George W. Bush hatte angekündigt, seine Entscheidung über die Fortsetzung des unpopulären Irak-Einsatzes von der Einschätzung Petraeus' abhängig machen zu wollen.

Fallon, der für alle militärischen Einsätze der US-Truppen im Nahen Osten verantwortlich ist, vertrete die Ansicht, dass in diesem Jahr Truppen für den Irak mobilisiert worden seien, die eigentlich für die Bekämpfung anderer Bedrohungen in der Region erforderlich seien, berichtete die „Washington Post“. Fallon und Petraeus haben nach Angaben der US-Tageszeitung ihre Positionen vor einer Woche dem US-Präsidenten George W. Bush vorgetragen.

Die Spannungen zwischen beiden Militärvertretern hätten bereits im Sommer zugenommen, als Fallon einen Admiral nach Bagdad schickte, um Informationen zu sammeln. Kurze Zeit später hätte er einen Plan entwickelt, nachdem die US-Truppen im Irak drastisch reduziert werden sollen. Fallon habe wenig Vertrauen in die irakische Regierung. Petraeus habe dieses Vorgehen als Einmischung in seine eigenen Pläne betrachtet.

Die Vorschläge eines gestern veröffentlichten Berichts des United States Institute of Peace gehen in eine ähnliche Richtung: Das Institut kam zu dem Ergebnis, dass die USA ihre Militärpräsenz im Irak in den nächsten drei Jahren halbieren und sich in fünf Jahren vollständig aus dem Land zurückziehen sollten. Nur dann werde die irakische Regierung selbst Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen, hieß es in Bericht des Instituts, dass 1986 vom US-Kongress gegründet wurde. Die USA stünden zu vielen Herausforderungen in der Welt gegenüber und könnten ihre derzeitigen Anstrengungen im Irak deshalb nicht auf dem hohen Level fortführen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Großbritannien seine Truppen bereits im April aus dem Hauptquartier im südirakischen Basra abziehen wollte. Auf eine Bitte der USA hin, seien die Soldaten aber fünf Monate länger geblieben, erklärte der britische Kommandeur James Bashall am Sonntag in einem Interview mit dem „Daily Telegraph“.

Die Entscheidung in der Stadt zu bleiben, sei ein Ergebnis „politischer Strategie“ gewesen, die auf höchster Ebene festgelegt worden sei. Die britischen Truppen hatten ihr Hauptquartier „Basra Palace“ vor einer Woche an die irakischen Sicherheitskräfte übergeben. Die 5500 britischen Soldaten im Irak operieren nun von einem 25 Kilometer von Basra entfernten Luftwaffenstützpunkt aus.