Der gegen Unbekannt bestehende Anfangsverdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung habe sich "noch nicht erhärtet". Nach Angaben von Berliner Sicherheitskreisen gibt es derzeit keine Anzeichen für mögliche Anschläge von Islamisten.

Kein Bekennerschreiben
Ein Bekennerschreiben sei bislang nicht eingegangen. Schultheis sagte, es sei unklar, ob es sich um einen geplanten Terroranschlag und damit um eine den Staatsschutz betreffende Straftat handele oder etwa um eine Erpressung der Bahn, also ein Delikt der allgemeinen Kriminalität. Auch eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums betonte, es gebe noch keine abschließenden Aussagen zur Sicherheitslage, weil die Hintergründe "staatsschutzrelevant oder allgemeiner Natur" sein könnten. Angaben aus Sicherheitskreisen, wonach das Vorgehen der Täter und die Machart der Bomben "völlig untypisch" für Terroristen seien, wollte die Bundesanwaltschaft nicht kommentieren.
Die Kofferbomben weisen laut Bundesanwaltschaft "Ähnlichkeiten" auf. Beide Koffer enthielten jeweils eine Propangasflasche, mehrere mit Benzin oder einem Brandbeschleuniger gefüllte Flaschen sowie eine Zündvorrichtung. Auch das Aussehen der Koffer sei "ähnlich", sagte Schultheis. Er wies darauf hin, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen der "zeitlichen Parallelität" der Bombenfunde übernommen habe.
Den Angaben zufolge wurde der am Bahnhof in Koblenz abgegebene herrenlose Koffer ebenfalls in einem Regionalzug gefunden. Der Zug verkehrte zwischen Mönchengladbach und Koblenz. Das abgegebene Gepäckstück sei erst am Dienstag geöffnet worden, erklärte Schultheis. Der zweite Koffer mit einem Sprengsatz war am Montag in einem zwischen Aachen und Hamm fahrenden Regionalexpress gefunden und von einem Zugbegleiter zum Fundbüro des Hauptbahnhofs Dortmund gebracht worden.

Zeugen gesucht
Die Deutsche Bahn verstärkte unterdessen ihre Sicherheitsmaßnahmen. Ein Bahn-Sprecher versicherte, das Zugpersonal sei sensibilisiert worden, noch wachsamer auf herrenlose Gepäckstücke zu achten. Zusätzliches Bord- oder Sicherheitspersonal werde aber nicht eingesetzt. Im Großraum Dortmund sucht die Polizei mithilfe von Flugblättern nach Zeugen.
Ein verdächtiger Koffer am Hamburger Dammtorbahnhof hat gestern Abend einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Nach einer ersten Untersuchung wurde das Gepäckstück gesprengt. Der Inhalt des Koffers habe sich jedoch als harmlos herausgestellt - ein Laptop und persönliche Gegenstände.