Der gelernte Gärtner hat ein Händchen für seine Pflanzen, wenn auch die Pflege in den Gewächshäusern und im Freiland über Jahrzehnte eher von Ehefrau Lieselotte erledigt werden musste. Denn neben seiner Familie mit den Söhnen Thomas und Thorsten sowie der Gärtnerei hat Eberhard Pöschke schon von früher Jugend an eine dritte Liebe – den Radsport.

Der Zweite Weltkrieg war gerade fünf Jahre vorüber, da stieg der 16-jährige Lübbener in den Rennsattel und fuhr im nahen Krausnick sein erstes Radrennen. Trotz harter Arbeit in der Gärtnerlehre war er so begeistert von seiner Sportart, dass er einen Monat später in der Spreewaldstadt das erste Rennen nach dem Krieg organisierte. Noch im Dezember 1950 folgte die Gründung der Sektion Radsport der BSG Einheit Lübben, aus der später Lokomotive wurde.

75. Geburtstag

„Natürlich wollte auch ich ein großer Radsportler werden“, gibt Eberhard Pöschke, der am Montag seinen 75. Geburtstag feiert, zu. Die Siege bei den Lausitz-Rundfahrten 1953 und 1954 oder der Gewinn der Bergwertung der DDR-Rundfahrt 1956 in Oberhof waren hoffnungsvolle Zeichen. „Radrennen zu veranstalten, das lag ihm letztlich aber mehr am Herzen als selbst zu fahren“, erinnert sich Theo Heinke, einer der engsten Weggefährten aus Lübbener Tagen.

Eberhard Pöschke hat seine Heimatstadt in den 1960er- und 70er-Jahren zu einem Mekka des Radsports gemacht. Hier wurden Bezirks- und DDR-Meisterschaften im Einzel- und Mannschaftszeitfahren sowie im Cross ausgetragen. Und ganz Lübben stand Kopf, wenn die besten Straßenvierer der Welt von 1962 bis 1970 zum Internationalen Olympiapreis über 100 Kilometer kamen. In dieser Zeit hatte der Organisator Pöschke längst aber auch den Radsportnachwuchs in Lübben um sich vereint – seine Frau betreute die jungen Turner. Seit 1964 arbeitete er als Bezirkstrainer Radsport, legte mit DDR-Meistertiteln im Schülerbereich – Lok Forst 1967 und Lok Lübben 1968 – den Grundstein dafür, dass ab 1969 beim Sportklub Cottbus eine Sektion Radsport gegründet und die bis heute währende Erfolgsgeschichte des Lausitzer Radsports gestartet werden konnte.

Cottbuser Traumjahr 1979

An 32 Weltmeistertiteln ist Pöschke in der Folge als Cheftrainer des SC Cottbus (bis 1975), Männertrainer, Verbandstrainer Junioren (1987 – 1990), als Bundestrainer (1990 – 1991), Sportwart beim Brandenburger Radsportverband (1990 – 1998) sowie als Geschäftsführer des RSC Cottbus nach der politischen Wende beteiligt.

Allen voran stehen Friedensfahrtsieger Hans-Joachim Hartnick (1976) und Straßen-Weltmeister Bernd Drogan (1982). Im Traumjahr 1979 für den SC Cottbus, als sich Hartnick und Drogan (Straßenvierer), Lutz Heßlich (Sprint), Lothar Thoms (1000 m) und Volker Winkler (Bahnvierer) das Regenbogentrikot des Weltmeisters überstreifen konnten, konnte Pöschke konstatieren, dass er sie alle unter seinen Fittichen hatte. Das trifft auch auf Junioren-Weltmeister wie Jan Gloßmann (Straßenvierer) und Jürgen Kummer (Bahnvierer) zu. Oder auf Asse wie Jan Ullrich, Erik Zabel, Jens Voigt, Steffen Wesemann, Guido Fulst oder Olaf Pollack. Heute ist der RK Endspurt 09 Cottbus, den Pöschke nach Querelen mit dem RSC Cottbus 1996 wieder aus der Taufe hob, seine sportliche Heimat.

Selbst der langjährige Verbandstrainer Wolfram Lindner hat neidlos eingestanden, dass er bei Pöschke viel gelernt und von ihm Trainingsmethodik übernommen hat. Und zum 100. Gründungsjubiläum des RK Endspurt glänzt der Verein längst wieder mit Assen wie den Vize-Weltmeistern Trixi Worrack oder Roger Kluge.