Psychiater sagen das: Trauern ist unzeitgemäß geworden. Es verträgt sich so schlecht mit unserer dynamisch-erfolgreichen Gutdraufness. Mit fatalen Folgen für die Seele: Nur wer trauern kann, kann auch richtig lachen, mahnen Trauerbegleiter.

Traditionell wäre dieses Wochenende ideal, hier nachzuholen. Zum Totensonntag wird in den Kirchen der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Früher, als wir es mit Konfession und Totensonntag nicht so hatten, war er der rechte Zeitpunkt, den Friedhof winterfest zu machen, emotional so aufreibend wie das Aufziehen der Winterreifen. Was also soll uns Trauer? Und wie trauert man politisch korrekt, wenn weder App noch Erfahrung verfügbar sind? Blumenhändler schätzen den Totensonntag inzwischen als zweiten Valentinstag. Trauerfloristik als Ablasshandel für das, was wir zu Lebzeiten versäumten. Ausgerechnet Immergrün zum Gedenken der Endlichkeit.

Die Wahrheit könnte sein: Tun Sie es einfach. Heulen Sie hemmungslos über unfassbare Abschiede. Trinken Sie Sekt auf dem Friedhof. Gucken Sie Fotos an. Hören Sie Coltrane oder Verdi, sogar schlechte Schlager. Dabei ist gar nichts falsch zu machen. Trauen Sie sich zu trauern. Prost, Omi!