Von Dietrich Schröder

Es war wie die Szene aus einem Film.“ So beschreibt ein Augenzeuge, was er in der Nacht  zum Mittwoch in einer Nebenstraße des polnischen Grenzorts Küstrin aus seinem Fenster sah. Gegen 23 Uhr sei ein bulgarisches Paar, das in der Straße lebt, die nach Papst Johannes Paul II. benannt ist, aus seiner Wohnung gekommen.

„Es schien, als seien sie auf der Straße mit jemandem verabredet“, so der Augenzeuge. Plötzlich seien zwei Autos mit bulgarischen Kennzeichen aufgetaucht und hätten die Fahrbahn blockiert. „Sie schlugen oder stachen sofort auf den Mann und die Frau ein.“ Der Mann sei umgefallen, die Frau habe geschrien und stark geblutet, die „Gangster“ seien in ihre Autos gesprungen und davon gebraust.

Polizeisprecher Marcin Maluda bestätigt diese Angaben. Es sei keine Tat zwischen Polen und Bulgaren gewesen, sagt er, Täter und Opfer stammten offenbar aus dem gleichen Land. Der 32-jährige Mann sei noch am Tatort den Messerstichen erlegen, seine 26-jährige Partnerin befinde sich in äußerst kritischem Zustand in einem Küstriner Krankenhaus. Weil sie in künstliches Koma versetzt wurde, konnten die Kriminalisten bisher nicht mit der Frau sprechen. „Wir suchen weiter nach Augenzeugen und natürlich nach den Tätern“, so Maluda.

Unterdessen liefert der private Fernsehsender „Polsat“ bereits eine mögliche Erklärung. Es sei bekannt, dass bulgarische Textilhändler, die auf zahlreichen Basaren in Polen Bekleidung anbieten, untereinander in harter Konkurrenz stünden. Möglicherweise sei unter ihnen eine Auseinandersetzung um Einfluss-Sphären ausgebrochen.

So wie die polnischen Ermittler erklären, dass für die angestammten Bewohner der Stadt keine Gefahr bestünde, hatte am Dienstag auch die Bürgermeisterin von Forst in der Lausitz argumentiert, nachdem sich dort ein ähnlicher Vorfall abgespielt hatte. Die beiden getöteten Männer, die am Montag in einer Wohnung entdeckt worden waren, stammten aber aus Montenegro. Inzwischen heißt es, dass sich zwei Drogen-Clans von dort bekämpft haben.

Dass zwischen beiden Vorfällen ein Zusammenhang bestehen könnte, schloss ein Sprecher der Cottbuser Polizei nahezu aus. Allerdings räumte er ein, von dem Vorfall in Polen bislang noch keine Information erhalten zu haben. Auf dem Basar in Kostrzyn, auf dem am Donnerstag trotz des Regens viele Deutsche einkauften, wurde über den Vorfall geredet. Bis auf die Tatsache, „dass es hier auch bulgarische Händler gibt“, wollte aber niemand etwas Offizielles dazu sagen.

Bereits am Ostermontag war es 60 Kilometer weiter östlich in Gorzów zu einer Schlägerei zwischen mehreren Ukrainern und Polen gekommen, die allesamt alkoholisiert waren. Dabei kam ein 41-jähriger Pole ums Leben und drei Ukrainer wurden als Tatverdächtige verhaftet.

Damit nicht genug: Am Mittwoch dieser Woche entdeckte eine Frau aus Zielona Góra beim Spazieren in einem Wald nahe der Stadt einen Ukrainer, der dort mit schweren Verletzungen lag. Wer ihn so zugerichtete hatte, wollte der Mann den Rettungskräften, die die Frau alarmierte, aber nicht sagen.