Magier Jan Rouven (25) steht vor einem riesigen Bergwerksbohrer. Der nähert sich dem Körper des Zauberers. Doch bevor er Rouven erfassen kann, läuft ein Bauarbeiter an der Bühne in der Südsee von Tropical Islands vorbei.
Rouven, Deutschlands „Magier des Jahres 2004“ , nimmt es gelassen. „Wir proben mitten auf einer Baustelle“ , sagt der Mann, der in der Illusionsszene als großes Talent gehandelt wird. „Da tauchen halt plötzlich mal Handwerker auf, die eine Mauer hochziehen“ , beschreibt er seinen gegenwärtigen Arbeitsplatz.
Nächste Woche will er auf diesem zaubern: Mit dem Bohrer, der seinen Körper durchdringt und ihn fünf Meter hoch hebt, mit dem Wassertank, in dem der Künstler gefesselt ist und aus dem er sich befreit, mit Jungfrauen, die er schweben lässt.

Regenwald mausert sich
Am 29. Dezember ist Premiere von „Sulapan“ . Illusionist Rouven ist zumindest äußerlich Optimist angesichts der Umgestaltung rings um den Regenwald in der größten freitragenden Halle der Welt. Da scheinen noch magische Kräfte nötig, um das augenscheinliche Chaos zu ordnen. Morgen soll laut Pressesprecher Patrick Kastner der letzte Hammerschlag fallen beim ersten Abschnitt des millionenschweren Umbaus.
Dann muss geputzt werden. Angesichts der dicken Staubschicht auf den Blättern von Palmen, Philodendron, Bananenstauden und anderen Pflanzen kaum vorstellbar, dass die Reinigungsgeschwader das Kunststück fertig bringen könnten, das Grau auf dem Grün zu vertreiben. „Die Gärtner um Bernd Green haben gesagt, dass sie es schaffen“ , sagt Kastner. „Zur Not müssen wir halt alle zu Wasserschlauch und Tüchern greifen“ , ahnt er und sieht Putzarbeiten auf sich zukommen.
Zu tun ist genug. Nicht nur, weil eben der Staub auf den Blättern haftet, sondern weil sich Bäume, Sträucher, Bodendecker und Blumen seit der Eröffnung im Dezember 2004 sichtbar zum Regenwald mausern. Im Moment gleicht das Innere selbst für den Tropical-Islands-Kenner einem Labyrinth. Wege durch den 66 000 Quadratmeter großen Dom sind verlegt oder mit Bauzäunen verstellt. Im tropischen Dorf wird gewerkelt, am Strand der Südsee gegraben, der Umkleidebereich gleich am Eingang fertiggestellt. Fotos von der Baustelle, so der Hausherr, seien nicht erwünscht. Man wolle die Besucher mit einem fertigen Bild überraschen.
Das verspricht ansehnlicher zu werden als das bisherige. Ins Auge fällt das Pflaster aus Prägebeton in den Farben Terrakotta und Anthrazit, das den bisherigen grauen Beton der „Industriewege“ ablöst. Holz und Bambus begrenzen die Bereiche des künftigen Boulevards, der Besucher zum Bummeln und Geld ausgeben animieren soll. Der Regenwald zieht sich bis ins tropische Dorf. Dem einstigen „Wartesaal-Charme“ wird mit Pflanzenecken und Kuschelbereichen zu Leibe gerückt. Erlebnisgastronomie werde zum Schlemmen verleiten, verspricht Kastner. Straßenküchen und ein tropisches Barbecue, bei dem sich der Gast die Zutaten für das Menü selbst aussuchen kann, würden hergerichtet.

Fördermittel angewiesen
Am auffälligsten ist die angestrebte Charakterveränderung weg vom Rummelplatz-Gehabe. Kinder- und familienfreundlich wolle man sein, nennt Kastner als prägenden Wesenszug. Der laut Kastner mit 25 Metern höchste Wasserrutschen-Turm Deutschlands ist bereits dort montiert, wo sich einst ein Riesenrad mehr oder weniger häufig drehte. Vier unterschiedliche Rutschen führen hinab. Die „Hochgeschwindigkeitsbahn“ , auf der bis zu 70 Kilometern pro Stunde zu erschlittern sein sollen, wird dabei wohl eher etwas für mutige Väter als für Mädchen und Jungen sein. Hinter der Südsee entsteht ein Kinderbecken mit einer Tiefe von 40 Zentimetern. Tretkart-Bahn, Miniboot-Becken, Kletteranlagen, Ballspielplätze und Trampoline sollen Abwechslung zum bisherigen Badeallerlei bringen.
21 Millionen Euro kosten nach Unternehmensangaben die jetzigen Erweiterungsinvestitionen und das Saunadorf, das ab März kommenden Jahres bis in den Sommer hinein im Dom entstehen wird. Nachts werde die Badelandschaft wegen der Bauarbeiten wohl wieder schließen, kündigt Kastner an. Nach seinen Angaben wird Tropical Islands nach fertigstellung des zweiten Umbau-Abschnitts beim britisch-malaysischen Konzern Tanjong mit Gesamtausgaben von 190 Millionen Euro zu Buche stehen. 500 Arbeitsplätze wurden geschaffen.
Gewissermaßen als Weihnachtsgabe überweist die brandenburgische Investitionsbank (ILB) heute mehr als 17 Millionen Euro Fördermittel auf das Tropical-Islands-Konto. Es ist die Unterstützung, die vom Unternehmen bereits 2003 beantragt worden war. Inzwischen liegt ein weiterer Fördermittelantrag bei der ILB vor. „Er ist allerdings nicht mit konkreten Vorhaben untersetzt. Deshalb wird er im Moment von uns auch nicht bearbeitet“ , so ILB-Sprecher Matthias Haensch.