Russische Witzbolde scherzen im Internet, die Luftwaffe könne gleich von ihrem neuen Recht Gebrauch machen, ein Flugzeug voller Terroristen abzuschießen. Doch Kremlchef Wladimir Putin sieht Hamas nicht als terroristische Bewegung. In einem politisch riskanten Manöver hat er die Radikalen eingeladen, auch wenn er sich damit dem Misstrauen Israels, der USA und der meisten Europäer ausgesetzt hat. "Russlands Linie ist unverändert", versuchte der Sonderbotschafter für den Nahen Osten, Alexander Kalugin, Befürchtungen zu zerstreuen. Moskau wolle bei der Hamas "eine Absage an Gewalt, eine Anerkennung der bisherigen israelisch-palästinensischen Abkommen und des Existenzrechts Israels erreichen". Doch so ein Erfolg ist fraglich.
Sprecher betonten vor der Reise, die Bewegung werde ungeachtet der zu erwartenden Überzeugungsversuche ihre grundsätzlichen Positionen nicht ändern, etwa bei der Nichtanerkennung Israels. "Das Opfer soll den Besatzer und Mörder anerkennen? Das ist ungerecht und unlogisch", sagte Hamas-Exilanführer Chaled Maschaal der Moskauer Zeitung "Wremja Nowostej".
Der Besuch in Moskau wird in Gaza als Sieg der unnachgiebigen Hamas-Linie und als Herausforderung an Israel und die USA gesehen, die eine internationale Isolierung der Hamas anstreben. Auch Teheran hatte der Hamas-Führung geraten, auf ihren Positionen zu beharren. Hamas will eine Anerkennung Israels erst nach einer Beendigung der Besatzung in den Palästinensergebieten erwägen.
In Israel sieht man den Hamas-Besuch in Moskau daher mit großem Zorn. Bildungsminister Meir Schitrit bezeichnete die Einladung an den Erzfeind des jüdischen Staates als "Dolchstoß" in Israels Rücken. Die Moskauer Gesprächsbereitschaft untergräbt aus Israels Sicht die Bemühungen, Hamas zu einer Anerkennung des israelischen Existenzrechts und zum Gewaltverzicht zu bewegen. Die Einladung wird auch als möglicher Riss in dem Nahost-Quartett gewertet, dem außer Russland auch USA, EU und UN angehören, und das sich um eine Wiederbelebung des Friedensprozesses bemüht.
Russland geht wie in Sachen Iran das Risiko einer zeitweisen Entfremdung ein, um sein gewachsenes außenpolitisches Gewicht zu demonstrieren. Doch im iranischen Atomkonflikt ist der Versuch gescheitert, der Weltgemeinschaft diplomatische Schmutzarbeit abzunehmen.