Mehr politischer Kampf in Russland und harte Worte gegen die USA: In seiner ersten großen Pressekonferenz seit fast fünf Jahren hat Kremlchef Wladimir Putin gegen seine Gegner ausgeteilt. Die russische Opposition sei nur daran interessiert, das bestehende System zu zerstören, sagte Putin vor mehr als 1000 Journalisten am Donnerstag in Moskau.

Das geplante Verbot der Adoption russischer Kinder durch US-Familien, das die Staatsduma am Vortag in zweiter Lesung beschlossen hatte, verteidigte Putin gegen massive Kritik. Die Reaktion sei emotional, aber angemessen. Misshandlungen würden in den USA nicht verfolgt, deshalb sei das Gesetz richtig, sagte Putin.

Im Gegenangriff kritisierte er, der amerikanische "Magnitsky Act", der russische Beamte für Menschenrechtsverletzungen bestraft, vergifte die Beziehungen zwischen Moskau und Washington. Die USA lebten in der Vergangenheit, wenn sie ein anti-russisches Gesetz gegen ein anderes austauschten. Auch die USA würden Menschenrechte verletzen, etwa auf Kuba im Lager Guantánamo. Vorwürfe, das russische politische System sei autoritär, wies Putin vehement zurück.

Im Syrienkonflikt betonte Putin erneut die russische Haltung, das syrische Volk müsse sein Schicksal selbst entscheiden. Er warnte zugleich vor einem Sieg der Opposition. Es sei völlig unklar, was in diesem Falle passieren werde, sagte Putin. Er kritisierte, dass zunächst alles zerstört und erst dann überlegt werde, wie es weitergehe. "Wir wollen nicht, dass die heutige Opposition, einmal an der Macht, den Kampf mit der heutigen Regierung fortsetzt und dass das für immer so weitergeht."

Gleich mehrfach fragten Journalisten nach mehr Sicherheit in ihrem Beruf. Der Staat tue alles, um Reporter zu schützen, versprach Putin. "Aber man kann nicht neben jeden einen Leibwächter stellen." In Russland sind zahlreiche Morde an investigativen Journalisten ungeklärt.

Zu seinem eigenen Gesundheitszustand hüllte sich Putin nach monatelangen Spekulationen in Schweigen. "Nutzen hätten die politischen Gegner, die versuchen, die Legitimität und die Leistungsfähigkeit der Macht in Zweifel zu ziehen", sagte Putin. Zuletzt hatten Medien immer wieder über Rückenbeschwerden des Präsidenten berichtet. Der Kreml hatte stets beteuert, der mächtigste Mann des Landes sei gesund.

Zuletzt hatte sich Putin am 14. Februar 2008, kurz vor Ende seiner zweiten Amtszeit, der Weltpresse gestellt. Den damaligen Längenrekord von vier Stunden und 40 Minuten verpasste er nur um zehn Minuten.