Bereits zwei Mal sollte das Hohenhaus auf Wunsch der Erbengemeinschaft versteigert werden - bisher ohne Erfolg. Museumssprecher Lars Rebehn fürchtet, dass man das derzeitige Domizil am Fuß der Meißner Weinberge in Kürze räumen muss.

Vom Weingut zum Museum
Das Hohenhaus im Ortsteil Zitzschewig gehört zu den wertvollsten Gebäuden der Karl-May-Stadt. Bekannt ist es bereits seit dem 15. Jahrhundert als Weingut der Meißner Bischöfe, später der sächsischen Kurfürsten, bevor es im 30-jährigen Krieg zerstört wurde. Danach wurde es in barocker Gestalt wieder errichtet und gehörte seit 1699 dem sächsischen Feldmarschall Heinrich von Flemming. 1865 erwarb der Berliner Bankier Berthold Thienemann das Anwesen und ließ auch den 13 Hektar großen Park anlegen. Der Dichter Gerhart Hauptmann lebte eine Weile im Hohenhaus und stellte seine ersten dramatischen Versuche vor. Kurz darauf erwarb der ranghöchste preußische Militärarzt Walter Stechow Villa und Park, dessen Erben bis heute das Anwesen gehört.
Zusätzlich kompliziert werden die Besitzverhältnisse Re behn zufolge dadurch, dass eine der Erbinnen ihren Anteil auf den Landesverein Sächsischer Heimatschutz übertrug. Da es an einem Nutzungskonzept fehlt und eine Übernahme durch die Stadt Radebeul nicht zur Debatte steht, bleibt nur der Verkauf.
Generell sieht Rebehn die Verlagerung der Sammlung nicht negativ. Sie liegt ein wenig abseits und die Mehrzahl der 7000 bis 8000 Besucher im Jahr sind Schulklassen und geführte Gruppen. Auch ist das Gebäude letztlich zu klein für eine nach modernen Gesichtspunkten gestaltete Dauerausstellung. So gibt es schon seit Jahren Pläne für ein neues Domizil.
Noch immer aktuell ist ein Anbau an den Jägerhof in der Dresdner Neustadt, dem Sitz des Museums für sächsische Volkskunst, dem die Radebeuler Einrichtung im Rahmen der Staatlichen Kunstsammlungen zugeordnet ist. Doch bis ein solcher Bau realisiert ist, würden noch mindestens zehn Jahre vergehen, meint der Museumssprecher.
Realistischer erscheint daher der Umzug in das Japanische Palais in Dresden, das derzeit saniert und umgebaut wird. Doch auch dort ist ein Einzug erst in einigen Jahren möglich. Muss das Hohenhaus früher geräumt werden, würde dies die Einlagerung der Sammlung nach sich ziehen. Das würde aber auch die Chance eröffnen, die Dauerausstellung neu zu konzipieren.
Die Puppentheatersammlung gehört nach Ansicht Re behns zu den wichtigsten ihrer Art. Sie dokumentiert 200 Jahre Puppentheater in Ostdeutschland. Vergleichbares gebe es nur in München, wo ebenfalls Sammlung, Forschungsstätte und Museum unter einem Dach untergebracht sind.

Über 10 000 Exponate
Wie viele Exponate zur Sammlung gehören, weiß nicht einmal Rebehn ganz genau. Allein die Zahl der Puppen wird auf mehr als 10 000 geschätzt. Hinzu kommen Kostüme, Bühnenbilder, originale und nachgebaute Bühnen, Theaterzettel, Plakate und Textbücher. Die ältesten Puppen sind 200 Jahre alt, die jüngsten stammen aus dem Jahr 2000. Vielfach wurde der Nachlass berühmter Puppenspielerfamilien übernommen. Die Sammlung umfasst die gesamte Bandbreite des Puppen-und Figurentheaters, so das Marionettentheater, das Handpuppentheater, Stabpuppen- und Schattenrisstheater bis hin zum Rummelplatztheater und zum zeitgenössischen Figurentheater, das die klassischen Formen sprengt.
Hervorgegangen ist die Einrichtung aus der Privatsammlung von Otto Link (1888 bis 1959) aus Leipzig. 1952 ging die Sammlung in öffentlichem Besitz über und war unter anderem im heutigen Dresdner Kulturrathaus untergebracht. Seit 1960 residieren die Puppen im Radebeuler Hohenhaus, wo sie seit 1985 auch der Öffentlichkeit zugänglich sind.
Das Hohenhaus im Internet:
www.skd-dresden.de