Anders dagegen der Trend für traditionsreiche Familienunternehmen in der "Pfefferkuchenstadt" Pulsnitz unweit von Dresden. Dort haben sich acht private Kleinbetriebe und eine GmbH "nach der Wende behauptet und wieder aufgerappelt", wie Innungsobermeister Lutz Tenne sagt.
Pulsnitzer Spitzen, Alpenbrot und Pflastersteine gehören seit Generationen zum Weihnachtsgebäck in Deutschland und werden beispielsweise nach Holland, Frankreich, Israel und in die USA verschickt. Gefragt sind Honigkuchen, Mandelprinten und Elisen-Schnitten. Andere schokoladenumhüllte, mit Fruchtgelee, geriebenen Haselnüssen oder Marzipan gefüllte Pulsnitzer Spezialitäten sind hinzugekommen. Lutz Tenne führt die 1911 gegründete Firma Karl Handrick in vierter Generation weiter. Sein Sohn ist entschlossen, das Erbe fortzusetzen.
"Freilich, wir müssen uns auch künftig gegen Konkurrenz behaupten", weiß er. "Ich bin nicht blauäugig, aber zuversichtlich." Beide sind froh, dass Hartnäckigkeit nach der Wende trotz Absatzflaute in den Jahren 1990/91 zum Erfolg geführt hat: Der Beruf des Pfefferküchlers war nach langem, zähen Ringen 1998 endlich anerkannt worden, in Pulsnitz durfte man wieder Lehrlinge ausbilden und die Meisterprüfung ablegen. Inzwischen haben die Pulsnitzer Pfefferküchler moderne Maschinen angeschafft. Aber Handarbeit ist weiterhin Markenzeichen für ihre Erzeugnisse. Makronen werden eben immer noch aus dem Spritzbeutel auf das Blech befördert .
Jürgen Nitsche, der die Küchelei von Großvater Georg Gräfe in dritter Generation weiterführt, konnte die Produktion von Schokoladenspitzen im Vergleich zu DDR-Zeiten inzwischen etwa verdoppeln. Er freut sich darüber, dass einige Supermärkte neben Nürnberger Lebkuchen auch Pfefferkuchen aus Pulsnitz "gelistet" haben und dass ein steigender Umsatz zu verzeichnen ist. Dennoch sind während der Adventszeit Pulsnitzer Pfefferküchler traditionsgemäß vor allem auf den beschaulichen Weihnachtsmärkten in ihrer Heimatstadt, in benachbarten Orten der Oberlausitz wie Kamenz und Löbau anzutreffen, ebenso in Chemnitz und Dresden, in Pirna, Görlitz und Zittau. Zu Volksfesten, auf Natur- und Wochenmärkten sind sie das ganze Jahr über in Sachsen vertreten. Vor Ostern gibt es spezielle Kreationen, die ebenfalls beliebt sind.
Aber die Hohezeit der Pfefferküchelei ist natürlich der Dezember - im Verkauf. In den Backstuben geht es dagegen schon im sommerlichen August besonders heiß her.