Männer, die von ihren Frauen misshandelt werden - bisher eher ein Tabuthema. In Sachsen soll es nun in Dresden, Leipzig und Chemnitz jeweils ein Schutzhaus für Männer geben. "Dort können betroffene Männer mit ihren Kindern zeitlich begrenzt unterkommen", sagt Frank Scheinert, Leiter der 2015 gegründeten Landesfachstelle für Männerarbeit. Ähnliche Projekte gibt es bereits in der Schweiz, in Berlin, im Westen Deutschlands und in Ketzin an der Havel.

"Die Nachfrage ist gleichbleibend. Aber es rufen immer öfter auch Rentner an, die es zu Hause nicht mehr aushalten", sagt Dietmar Gettner, Leiter des Gewaltschutzhauses Ketzin. Derzeit sind dort sechs Männer untergebracht.

Anders als in Sachsen sind in Brandenburg derzeit keine weiteren Männerschutzhäuser geplant, teilt das Familienministerium mit. Die Landesregierung fördere jedoch Opferberatungsstellen wie beispielsweise in Cottbus und Senftenberg. Auch Frauenhäuser unterstützen betroffene Männer dabei, Hilfsangebote zu finden.

Seit Jahren nehmen die Fälle häuslicher Gewalt in Sachsen und Brandenburg zu. Die beiden Landeskriminalämter registrierten 2014 insgesamt 7199 Straftaten in diesem Bereich - vom Hausfriedensbruch bis zum Tötungsdelikt. 2013 fielen noch 6927 Fälle in diese Kategorie, im Jahr zuvor waren es 6279. Nach wie vor sind aber vor allem Frauen Opfer: Ihr Anteil machte in Sachsen und Brandenburg rund 76 Prozent aus.

Männer erfahren meist mehr psychische als körperliche Gewalt sowohl in homo- als auch in heterosexuellen Beziehungen.

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