Es war keine Überraschung, die der vorsitzende Richter der zweiten Großen Strafkammer am Landgericht Cottbus, Stefan Fiedler zu Beginn des dritten Sitzungstages am Montag verkündete. Ein Gespräch mit den Vertretern von Anklage und Verteidigung nach dem zweiten Verhandlungstag habe keine Einigung auf eine mögliche Verfahrensabkürzung ergeben, teilte er der Öffentlichkeit mit.

Solch Gespräche sind, Transparenz vorausgesetzt, legal, um gerade komplizierte Wirtschaftsstrafverfahren zu beschleunigen. Dabei geht es in der Regel um folgenden Deal: Zusicherung einer Bewährungsstrafe bei vollem Geständnis. Doch die drei Angeklagten in dem Verfahren sind nicht geständig.

Das deutete sich schon am zweiten Verhandlungstag an, als sie ihre Aussagen machten. Deshalb begann am Montag vor dem Cottbuser Landgericht eine umfangreiche Zeugenbefragung.

Angeklagt sind der ehemalige Verbandsvorsteher des Märkischen Abwasser und Wasserzweckverbandes (MAWV), Wolf-Peter A., der frühere Geschäftsführer einer großen Rohrbaufirma Wilfried G., sowie Frank K., Chef einer Baufirma im südlichen Berliner Speckgürtel.

Beide Firmenchefs sollen den Ex-Verbandsvorsteher mit Bauleistungen, Bargeld, Einladungen zum Essen und Wochenendvergnügen geschmiert haben, um besser an Aufträge des MAVW zu kommen. Im Zentrum der Anklage stehen zwei millionenschwere Aufträge für die Verlegung einer Trink- und einer Abwasserleitung im Rahmen des Flughafenbaus in Schönefeld.

Zunächst, so der von Anklage und Verteidigung akzeptierte Plan des vorsitzenden Richters, sollen die Zeugen angehört werden, die etwas zu einer möglichen Einflussnahme des Ex-Verbandsvorsitzenden auf die Auftragsvergabe sagen können. Denn dass es großzügige Geschenke von ihnen für den Ex-Verbandschef gegeben hat, haben Wilfried G. und Frank K. eingeräumt. Doch das soll völlig unabhängig von Aufträgen allein aus freundschaftlicher Verbundenheit erfolgt sein.

Als erster Zeuge nahm am Montag der frühere technische Geschäftsführer des MAWV im Gerichtssaal Platz. Er selbst, so der 65-Jährige, habe keine Aufträge erteilt: "Ich hatte keine Unterschriftsberechtigung für Dinge, die Geld kosteten."

Er saß aber im Vergabeausschuss des Wasserverbandes. Zu vielen Details, besonders den millionenschweren Aufträgen für die Leitungsverlegungen, konnte er auf Fragen des Gerichtes, der Staatsanwaltschaft und Verteidigung jedoch kaum Auskunft geben. Die Vorgänge lägen inzwischen schon viele Jahre zurück, sagte er, da könne er sich nicht mehr so genau erinnern.

Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft kam jedoch zur Sprache, dass auch der technische Leiter des MAWV vom angeklagten damaligen Geschäftsführer der Rohrbaufirma zum Segeln in Kroatien eingeladen wurde. Er habe jedoch abgelehnt, sagte der Zeuge: "Ich bin ja nicht mit ihm befreundet."