Der 73-Jährige ist rund um den Globus als das "Inzest-Monster von Amstetten" berüchtigt. 24 Jahre lang hielt er seine Tochter Elisabeth eingekerkert und zeugte sieben Kinder mit ihr. Fritzl selbst erwartet, dass er wegen dieser Taten nie mehr die Freiheit erlangen wird. 18 Jahre alt war Elisabeth, als ihr Martyrium begann: Am 29. August 1984 lockte Fritzl seine drittälteste Tochter in den Keller seines Hauses, den er zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem Gefängnis umgebaut hatte. Von nun an führte der Elektro-Ingenieur ein Doppelleben: Oben in seinem Haus lebte er mit seiner Frau und ihren sechs anderen Kindern. Im fensterlosen Keller fing er an, Elisabeth zu vergewaltigen und zu schwängern. Schon 1988 kam im Kellerverlies die älteste Tochter Kerstin zur Welt, zwei Jahre später der erste Sohn. Die danach geborenen drei Kinder schaffte der Vater ans Tageslicht. Er behauptete, Elisabeth sei einer Sekte beigetreten und habe die Kinder vor die Haustüre gelegt. Niemand hegte offenbar Zweifel. Ein sechstes Kind musste dagegen wie die beiden ältesten Geschwister ohne Tageslicht im Kellerverlies aufwachsen, ein siebtes Kind starb. Selbst für den Verteidiger von Fritzl ist die Schuld des Angeklagten eindeutig. Der seit bald einem Jahr im Gefängnis sitzende Familienvater gehe auch selbst davon aus, dass er dort seinen Lebensabend verbringen wird, sagte Rechtsanwalt Rudolf Mayer. Neben einer Haftstrafe will die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in der Psychiatrie beantragen. Die vier Anklagepunkte Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Inzest und schwere Nötigung werde sein Mandant "im Wesentlichen" gestehen, kündigte Mayer an. Bleiben zwei strittige Punkte: die Vorwürfe des Sklavenhandels und des Mordes. Bei der Anklage des Sklavenhandels gibt es kaum Erfahrungen, weshalb die Bewertung des Vorwurfs durch das Gericht schwer vorhersehbar ist. Den Vorwurf des Mordes dagegen streitet Fritzl als einzigen Anklagepunkt ab. Bei dem Fall handelt es sich um den Zwillingsbruder eines 1996 geborenen Jungen. Nach der Aussage der heute 42-jährigen Elisabeth starb der Junge, weil ihm der Vater die nötige Versorgung verweigerte. Die Babyleiche verbrannte Fritzl. Weder Elisabeth noch eins ihrer Kinder müssen sich im Prozess Fragen zu den Details ihrer Gefangenschaft stellen. Stattdessen nahm das Gericht im Vorfeld Befragungen vor, die auf Video aufgezeichnet wurden. Das Inzest-Monster" scheint nur zwei Ziele zu verfolgen. Zum Einen will er Geld verdienen. Für den Verkauf seiner Häuser und seiner Lebensgeschichte verlangt er Millionen - angeblich, um das Geld seinen Opfern zu geben. Zum Anderen will er den Ruf als "Monster" aus der Welt haben. Ein Monster hätte niemals im April 2008 Elisabeth und deren lebensbedrohlich erkrankte älteste Tochter ins Krankenhaus gebracht und damit das sichere Auffliegen riskiert, sagt Verteidiger Mayer. "Ein Monster handelt nicht so."