"Jetzt wird der Frieden in die Region zurückkehren", sagte ein Anwohner namens Shabir Khan. Doch diese Hoffnung dürfte trügerisch sein. De facto ist die Ankündigung der Provinzregierung, das islamische Recht umzusetzen, das Eingeständnis ihrer Niederlage gegen Taliban-Anführer Maulana Fazlullah und seine Kämpfer. In den Rest des Landes sendet das Swat-Abkommen ein verheerendes Signal aus. Erst am Sonntag hatte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in einem Interview des US-Senders CBS unmissverständlich vor einer Niederlage im Kampf gegen die Taliban gewarnt. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Taliban versuchen, in Pakistan die Macht zu übernehmen", sagte er. "Deshalb geht es um das Überleben Pakistans." Und der neue US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, betonte am Montag in Neu Delhi, Indien, die USA und Pakistan stünden vor einem gemeinsamen "Feind, der eine direkte Bedrohung für unsere Führungen, Völker und Hauptstädte darstellt". Über das Swat-Tal und die Stammesgebiete, von denen aus die Taliban Ziele in Afghanistan angreifen, hat die pakistanische Regierung schon lange die Kontrolle verloren. Im größten Teil des malerischen Gebiets, das nur rund 160 Kilometer nordwestlich von Islamabad liegt, haben Fazlullahs Truppen inzwischen ein Schreckensregime errichtet, das fatal an die frühere Gewaltherrschaft der Taliban in Afghanistan erinnert. Angebliche Spione, Taliban-Gegner oder Sünder werden von den Aufständischen öffentlich gehängt oder geköpft. Unterricht für Mädchen haben die Taliban untersagt. Diese Zustände müsste ausgerechnet die säkulare Awami National Party, die die Regierung in der Nordwest-Grenzprovinz stellt, eigentlich als Schlag ins Gesicht empfinden. Denn das Abkommen sieht auch das Ende der Militäroperationen gegen die Taliban in Swat vor. Hilflos appellierte Ministerpräsident Amir Haidar Khan Hoti in der Provinzhauptstadt Peshawar an die Aufständischen, nach der "historischen Entscheidung" für Scharia-Gerichte nun der Gewalt abzuschwören. Ein Blick in die jüngere Geschichte Pakistans müsste ihn eines Besseren belehren. Bislang sind sämtliche Friedensverträge mit den Aufständischen kläglich gescheitert. Nach dem Zusammenbruch der diversen Abkommen waren die Taliban stets stärker als zuvor.