Sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte: "Dem Nachkriegsirak den Rücken zu kehren wäre so, als hätten wir Nachkriegsdeutschland wieder den Nazis überlassen."
Bush erklärte in seiner wöchentlichen Radioansprache, angesichts von Gewalt und Chaos sei die Versuchung für einige groß, dem Irak den Rücken zu kehren. "Ein Rückzug bringt aber keinen Frieden, keine Ehre und keine Sicherheit." Die US-Regierung bleibe entschlossen, die Terroristen im Irak zu besiegen. Dafür seien weitere Kämpfe und Opfer unerlässlich, sagte Bush. "Wir werden nichts anderes als den vollständigen Sieg akzeptieren." Die Bombardierung des Irak hatte am 20. März 2003 begonnen. Bislang kamen 2300 US-Soldaten im Irak ums Leben.
Der frühere irakische Übergangsregierungschef Ijad Allawi erklärte gestern, im Irak herrsche Bürgerkrieg. Allawi sagte in einem Interview mit dem britischen Sender BBC: "Jeden Tag gibt es 50 bis 60 Tote, wenn das kein Bürgerkrieg ist, dann weiß nur Gott, was ein Bürgerkrieg ist." Die USA und Großbritannien hatten solche Äußerungen wiederholt zurückgewiesen.
In London gingen am Samstag nach Polizeiangaben etwa 15 000 Menschen auf die Straße, die Organisatoren sprachen dagegen von 80 000 bis 100 000. In den USA demons trierten dagegen nur einige hundert Menschen. Am Times Square in New York forderten Demonstranten den Abzug der US-Truppen. In Rom protestierten ebenfalls Zehntausende und forderten einen Abzug der fast 3000 italienischen Soldaten. In Berlin protestierten etwa 700 Menschen gegen die Politik der USA. Sie wandten sich auch gegen militärische Drohungen gegenüber dem Iran.
Tausende von Polizisten und Soldaten bewachten gestern den Strom der schiitischen Pilger nach Kerbela, wo die Schiiten das Ende der 40-tägigen Trauerzeit für den im Jahr 680 getöteten Imam Hussein begehen. Für Aufregung unter den Pilgern sorgte eine Mörsergranate, die im Stadtzentrum einschlug, ohne allerdings jemanden zu verletzen. Hunderttausende von Schiiten aus Bagdad hatten sich auf den Weg Richtung Süden gemacht, um die rund 100 Kilometer nach Kerbela zu Fuß zurückzulegen.
In einem Geheimgefängnis am Flughafen von Bagdad sind nach einem Bericht der "New York Times" Gefangene geschlagen und als lebende Zielscheiben bei Schießübungen mit Farbkugeln missbraucht worden. Das widerlege die Regierungslinie, dass Misshandlungen in dem berüchtigten Gefängnis Abu Gharib auf das Konto von Einzelnen gingen, schrieb die Zeitung. "Es gab dort keine Gesetze", sagte ein Pentagon-Mitarbeiter der Zeitung. "Wenn die Gefangenen nicht bluten, kann Dich keiner anklagen", sei das Motto gewesen. (dpa/AFP/roe)