Allerdings war es Pamungkas vorbehalten, fernsehgerecht im tropischen Botanik-Garten von Bogor ein rituelles Zaubergetränk aus Schlangenblut und Kräutern zu trinken und die Götter anzuflehen, Bush zu verfluchen: Der Himmel solle schütten bei seinem sechsstündigen Besuch, und beim Galadinner am Abend im prächtigen Bogor-Palast solle sich Bush so recht den Magen verderben, dass er "aufgedunsen ist wie eine Brokkoli" und seine Begleiter in Panik verfielen.
Zumindest der erste Teil seines Fluchs schien gewirkt zu haben: Während am Mittag noch die gleißende Äquatorsonne auf Jakarta und den nahen Kurort Bogor herunter brannte, begann es am Nachmittag kurz nach der Ankunft Bushs tatsächlich zu regnen. Und obwohl der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono Blumenarrangements und Sitzkissen auf den Sofas im Präsidentenpalast kurz vor dem Eintreffen seines politischen Freundes aus Washington eigenhändig - und vor laufenden Kameras - überprüfte, kann von einem freundlichen Empfang in Indonesien kaum gesprochen werden.

US-Flaggen in Brand gesetzt
Zwar sorgten mehr als 20 000 Soldaten und Polizisten dafür, dass Bush von den heftigen Protesten im Land nichts direkt mitbekam. Aber über die Fernsehschirme liefen die Bilder zorniger Islamisten, die seit Tagen protestierten, US-Flaggen verbrannten, Bush als Mörder titulierten, Amerika verdammten und Allah priesen. "Wir sollten klar sagen, dass Bush ein Kriegsverbrecher ist, den man nicht auf indonesisches Gebiet lassen sollte", meinte Fahri Hamzah von der islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt.
Aber nicht nur radikale Moslems standen der - für manche wohl fast beleidigend kurzen - Visite skeptisch gegenüber. "Die meisten Indonesier haben viele Sympathien für die USA, aber sehr wenige für Bush", meinte ein US-Geschäftsmann in Jakarta. Indonesiens Presse widmete sich wohl auch deshalb weniger den politischen Hintergründen des Besuchs als mehr den emotional aufgeladenen Themen: den hohen Kosten für den Bush-Aufenthalt oder den angeblichen Terrordrohungen gegen Bush.
Dabei nimmt Bush trotz der Kürze des Besuchs, bei dem sich seine besorgten Geheimdienste durchgesetzt hatten, Indonesien ernst. "Bush ist auch hier, um über Bildung und Gesundheitsversorgung zu sprechen, über alles, was wir in Indonesien brauchen", sagte nüchtern Prof. Jusuf Wanandi vom CSIS-Politikinstitut in Jakarta. Und Bush wisse, dass er Freunde in der Welt brauche, eben wie Indonesien, "weil Unilateralismus nicht funktioniert".

Geld für Erziehungsprojekte
Tatsächlich kam Bush nicht mit leeren Händen - ohnehin fördert Washington den Inselstaat militärisch, wirtschaftlich und kulturell. Diesmal brachte er dem Entwicklungsland mit seinen 190 Millionen Einwohnern unter anderem massive Finanzhilfen für Erziehungsprojekte mit. Zudem pries Bush die weltweite Vorbildfunktion der Demokratie in Indonesien, das immerhin auch das bevölkerungsreichste islamische Land der Welt ist. Das Weiße Haus wolle mit dem Besuch ein deutliches Zeichen setzen, dass die USA "die moderaten Kräfte in der islamischen Welt unterstützen wollen", betonte Sicherheitsberater Stephen Hadley. Die Bilder, die gestern durch die Welt gingen, schienen da eher wenig hilfreich.