Burkhard Schöps (CDU): Der Hauptstadtvertrag muss auf den Prüfstand.Heidemarie Konzack (SPD): Wir wollen den Potsdamer Theater-Neubau verhindern."Wir wollen diesen Theater-Neubau verhindern", sagt unumwunden die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Heidemarie Konzack. Es sei im Land nicht zu vermitteln, dass beim Staatstheater Cottbus, beim Staatsorchester Frankfurt (Oder) oder den Musikschulen der Rotstift angesetzt werden soll, während das Land den Potsdamer Theater-Neubau komplett aus Steuermitteln finanziere.
Darüber erregt sich auch Burkhard Schöps, der Cottbuser CDU-Landtagsabgeordnete. "Da Potsdam den Anteil der Eigenfinanzierung für das neue Theater aus dem Hauptstadtvertrag begleichen kann, zahlt das Land quasi den kompletten Bau." Für Schöps steht fest, dass dieser Hauptstadtvertrag bei den Sparzwängen des Landes nicht einfach unangetastet bleibe dürfe. "Warum soll die Landeshauptstadt weiterhin eine Sonderzuführung erhalten", fragt der Lausitzer. Immerhin habe Potsdam die geringste Arbeitslosenquote im Land, profitiere vom Berliner Speckgürtel und "kann eine Berliner Kulturlandschaft vor der Haustür genießen". Daraus leite sich unmittelbar ab, dass der Neubau des Potsdamer Stadttheaters in Frage gestellt werden müsse.
Im Koalitionsausschuss des Parlaments haben sich die Abgeordneten zudem darauf verständigt, die Kürzung bei den Musikschulen im Land zurückzunehmen und auch die Streichung von 220 000 Euro beim Staatsorchester in Frankfurt (Oder) rückgängig zu machen. Immerhin müssen die Musikschulen entsprechend der Giftliste des Kabinetts damit rechnen, dass die Zuschüsse um eine Million Euro heruntergefahren werden. Ein entsprechender Deckungsvorschlag, der einzusparende Mittel aus dem Hauptstadtvertrag zu Rate ziehen will, soll am Dienstag in den Kulturausschuss des Landtages eingebracht werden. Von dort aus soll an die Landesregierung der Auftrag ergehen, den Hauptstadtvertrag zu Gunsten des Erhalts der Kulturlandschaft im Lande zur Disposition zu stellen.
"Es geht hier nicht darum, Regionen oder kulturelle Standorte gegeneinander auszuspielen", versichert Heidemarie Konzack. "Wir müssen vielmehr versuchen, gut funktionierende und für das Land bedeutsame Kultureinrichtungen trotz knapper werdender Mittel zu erhalten." Dazu zählt für die SPD-Politikerin auch, über die Veränderung der Betriebsform des Staatstheaters Cottbus nachzudenken - so wie es der Auftrag der Landesregierung vorsieht.
"Wenn dies jedoch bedeutet, durch geringere finanzielle Zuwendungen des Landes das Drei-Sparten-Theater in Cottbus zu gefährden - dagegen müssen wir uns wehren", betont Konzack. Sie hofft, dass das Spitzengespräch zum Staatstheater am Dienstag mit Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) und Staatskanzleichef Reiner Speer in Cottbus Irritationen beseitigen kann.