Die "Erlebnisinsel Gesundheit" ist in der Brandenburghalle 12 auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin nicht zu übersehen. In der Mitte zwei Behälter mit Moor, ein Stand, an dem Solepeeling für die Hand gereicht wird und schließlich noch ein kleines Kneippbecken. Ringsherum auf Aufstellern die bildlich und textlich übersichtlich gestalteten Visitenkarten der sieben Mitgliedstädte Bad Belzig, Bad Freienwalde, Bad Liebenwerda, Bad Wilsnack, Buckow (Märkische Schweiz), Burg (Spreewald) und Templin.

Dass Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sich bei seinem Rundgang in der Messehalle im Bad Liebenwerdaer Moor bereitwillig die Finger "schmutzig" macht, für die Kameraleute und Fotografen ist es das Motiv. Und für Bad Liebenwerda die Werbung. Sabine Klix, Physiotherapeutin in der Fontana-Klinik, muss mehrfach die Vorzüge von Moorbehandlungen, die neben Bad Liebenwerda noch in Bad Freienwalde und Bad Wilsnack angeboten werden, erklären.

Für den Vorsitzenden des Kurorte- und Bäderverbandes, Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU), ist der prominente Auftritt auf der ITB auch Indiz dafür, dass der Verband inzwischen im Land deutlicher wahrgenommen wird. "Wir hatten es bisher immer schwer, uns neben den Tourismusverbänden zu behaupten", sagt er. Dabei würden prädikatisierte Kurorte und Heilbäder in der Gunst der Patienten und der Menschen, die Wellness- und Gesundheitsbehandlungen aus eigener Tasche finanzieren, nach wie vor einen hohen Stellenwert haben. Kurstädte und Heilbäder müssten diesen Ansprüchen auch genügen. "Die Infrastruktur neben den Gesundheitsbereichen muss stimmen", sagt Thomas Richter und führt attraktive Parks, funktionierende Innenstädte und kulturelle Angebote an, die finanziert werden müssten.

In Brandenburg habe Kuren eine mehr als 300-jährige Tradition. Vorhandene ortsgebundene natürliche Heilmittel mit modernen medizinischen Methoden zu verbinden - diesem Anspruch würden sich alle sieben Mitgliedstädte stellen und dennoch ihre Alleinstellungsmerkmale hervorkehren. So warte Bad Belzig mit dem jüngsten Thermalsoleheilbad Deutschlands auf, genieße Bad Freienwalde als älteste Kur- und Badeanstalt Brandenburgs mit seinen Moorbehandlungen einen ausgezeichneten Ruf, sei Bad Liebenwerda für die exzellente Behandlungen in den Fachbereichen Orthopädie und Rheumatologie längst bekannt. Auch Bad Wilsnack ist dafür bekannt und auch als der Ort, in dem Erkrankungen der Atemwege erfolgreich behandelt würden. Buckow habe sich unter anderem auf vegetativ-nervale Funktionsstörungen, onkologische Erkrankungen, Mutter-Kind- und Schwangeren-Kuren spezialisiert. Die Behandlung von Herz-, Gefäß- und Kreislauferkrankungen sind eine von mehreren Spezialgebieten, die in der Ruhe des Spreewalds in Burg angeboten werden. Und schließlich Templin, wo besondere Fürsorge dem Stütz- und Bewegungsapparat sowie Patienten mit Atemwegs- und Hauterkrankungen zuteil wird. Um im Wettbewerb der deutschen Kurorte und Heilbäder zu bestehen, haben Ende des vergangenen Jahres der Brandenburgische Kurorte- und Heilbäderverband, der Sächsische Heilbäderverband und der Heilbäder- und Kurorteverband Sachsen-Anhalt eine Kooperation beschlossen.

Helfried Böhme, Geschäftsführer des sächsischen Verbandes: "Wir sind alle drei eher kleine Bäderländer im Vergleich zu Bayern und Baden-Württemberg. Aber der Wettbewerb um die Gunst der Patienten und Menschen, die präventiv kuren möchten, wird härter." Und wie sollen nun die Kräfte gebündelt werden? "Das beginnt bei ganz normalen Marketingfragen, Auftritten auf Messen und geht bis zu Seminaren und Weiterbildungen, die wir im größeren Rahmen veranstalten und für mehr Interessierte nutzbar machen wollen", sagt Helfried Böhme. Er unterstreicht: "Seit Patienten immer mehr von ihrer Wahlfreiheit bei der Auswahl von Kurorten Gebrauch machen, müssen sich diese auch besser darstellen, wenn sie im Konzert mitspielen wollen." Viele Kurorte, die einst von kassenfinanzierten Kuren gut lebten, müssen heute umstellen.