Helmut Richter von Rolls-Royce hat Cottbus als Insel der Glückseligkeit bezeichnet. Fällt es der BTU deshalb so schwer, die Uni-Neugründung mitzugestalten?
Die Einigkeit von Studenten, Wissenschaftlern, Hochschulleitung und anderen Bürgern ist in dieser Form sehr selten. Dass Lehre und Forschung auch an der BTU der Verbesserung fähig sind, wird niemand leugnen können. Das trifft aber auch auf alle anderen Hochschulen zu. 34 Millionen Euro Drittmittel bei nur 51 Millionen Landeszuschuss soll erst einmal jemand nachmachen.

Wie schätzen Sie die Chancen eines Volksbegehrens ein?
Ich habe bisher nicht viele Leute getroffen, die eine Fusion beider Hochschulen für eine gute Idee halten. Ich würde mir wünschen, dass die Brandenburger mitmachen. Aber die Welt geht auch nach 2013 und 2014 weiter.

Welche Probleme meinen Sie?
Ich habe auch Debatten mit Leuten gehabt, die der Landesregierung nahe stehen. Die Attraktivität der Lausitzer Hochschulen wird vor allem durch die BTU gesichert. Die Hochschule Lausitz (HL) in Senftenberg hat dagegen leider seit Jahren Studienbewerber verloren. Das hat zwei Ursachen: Aus demografischen Gründen gibt es in der Region weniger Bewerber. Außerdem hat die Hochschule noch nicht genug unternommen, dies durch eine Steigerung ihrer Attraktivität auch für Nicht-Lausitzer auszugleichen. Gleichzeitig wächst der Bedarf der regionalen Wirtschaft an Fachhochschul-Absolventen. Dieses Problem wird durch die Zwangsfusion aber nicht gelöst.

Aber gerade der Faktor Demografie wird doch von der BTU bei jeder Gelegenheit verneint.
Weil im Gegensatz zur HL, wo rund 75 Prozent der Studenten aus der Region kommen, 66 Prozent der BTU-Studenten nicht aus der Lausitz sind.

Warum wäre eine Neugründung falsch?
Weil die bestehenden Einrichtungen aufgelöst und neu gegründet werden müssen. Das kostet unnötig viel Energie und Zeit. Die Marken BTU und HL werden also nicht mehr das enthalten, was vorher drin war. Aus der BTU gehen schon die ersten guten Forscher weg. Und leider wird die HL dabei unter die Räder kommen. Das und das Verfahren von "oben herunter" sind professioneller Dilettantismus, über den auch in der Kultusministerkonferenz gespottet wird.

Als Kooperation wird oft das David-Gilly Institut bemüht. Doch dann hört es auch schon auf. Ist da nicht in den vergangenen Jahren zwischen Cottbus und Senftenberg viel verpasst worden?
Zum Kooperieren gehören immer zwei. Und zwar nicht nur Präsidenten, sondern auch die Mitglieder beider Einrichtungen. Kooperation, wo sie sinnvoll ist, durch ein Gesetz zu stärken, ist eine Illusion.

Vor allem die Attraktivität der Fachhochschulstandorte muss und kann gesteigert werden. Zum Beispiel durch duale Studiengänge, eine Internationalisierung der Nachfrage und durch mehr berufsbegleitende Studienangebote.