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| 02:34 Uhr

Problemwolf beunruhigt die Lausitz

Erwischt: Der Wolf beim Stöbern auf einem Komposthaufen in einem Ortsteil von Rietschen.
Erwischt: Der Wolf beim Stöbern auf einem Komposthaufen in einem Ortsteil von Rietschen. FOTO: Lupus
Rietschen. Ein Wolf sorgt in einigen Ortsteilen von Rietschen (Kreis Görlitz) zurzeit für großes Kopfzerbrechen. Denn das junge Tier nähert sich selbst bebauten Grundstücken ohne Angst. Hat die Lausitz ihren ersten Problemwolf? Sascha Klein und Christian Köhler

Er kommt abends bis nachts und verhält sich eher wie ein streunender Hund als ein wildes Tier: ein Wolf aus dem polnischen Rudel Ruszow direkt gegenüber von Rothenburg (Kreis Görlitz). Dieser ein Jahr alte Wolf sorgt zurzeit bei den Experten des Kontaktbüros "Wölfe in Sachsen", beim Wolfsbüro Lupus sowie beim Landratsamt Görlitz für einige Betriebsamkeit. Denn er kommt seit einigen Wochen viel zu nah an die Wohnbebauung der Rietschener Ortsteile Teicha, Neuhammer und Alte Ziegelei heran.

Doch wieso traut sich der Wolf, der eigentlich scheu ist, so nah an die Häuser heran? Das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" hat eine Vermutung: Das Tier ist als Welpe von Menschen gefüttert worden. Die Experten glauben, ein Jäger könnte den kleinen Isegrim angelockt und ihn versorgt haben. Polnische Wissenschaftler stützen laut Kontaktbüro diese These. Ende vergangenen Jahres ist das Tier mitten am Tag in eine Fotofalle getappt. Das Foto zeigt den Wolf, wie er Futter auf einem Komposthaufen in einem Rietschener Ortsteil sucht. Die Anwohner sind speziell seit den ersten Sichtungen des dort stöbernden Wolfs im November 2016 aufgerufen, keinerlei Essensreste mehr auf Komposthaufen zu entsorgen. Das Kontaktbüro betont jedoch auch, dass der Wolf noch keinen Kontakt zu Menschen gesucht hat und einer direkten Begegnung aus dem Weg geht. Jedoch ist bislang unklar, was nun mit dem Wolf nahe Rietschen passiert.

"Es gab Wolfsichtungen in den vergangenen Wochen in Rietschen hinter dem Fema-Kulturhaus, in Teicha und Neuhammer", erklärt Wolfgang Schmidt. Der stellvertretende Vorsitzende der Jagdgenossenschaft in Rietschen kann sich aber nicht vorstellen, dass der Wolf angefüttert wurde. "Und schon gar nicht von einem Jäger", sagt er. Dafür müssten Beweise geliefert werden. Vielmehr hätten Komposthaufen das Tier angelockt.

Genproben haben laut Kontaktbüro inzwischen ergeben, dass es sich beim Rietschener Problemwolf um dasselbe Tier handelt, das im Juni 2016 im Rothenburger Ortsteil Lodenau dabei beobachtet wurde, wie es die Schwarte eines frisch erlegten Wildschweins vom Vorhof eines Grundstücks holte und sie in ein angrenzendes Waldstück schleppte. Es gehört demnach eindeutig zum polnischen Rudel Ruszow. In Brandenburg gibt es nach Ministeriumsangaben zurzeit 22 Wolfsrudel, in Sachsen laut Kontaktbüro 15 - die meisten davon in der Oberlausitz und in Niederschlesien.