Auf der Bühne des Arbeitslosentheaters in Leipzig stehen 20 Männer und Frauen zwischen schwarzen Vorhängen im Scheinwerferlicht, atmen ein und aus, lassen die Arme schwingen. "Brallabra" geben Schauspielerin Sonja Pfeil und Theaterstudentin Teresa Pfauder vor.

Die Gruppe wiederholt die Silben. Es sind Aufwärmübungen für die Teilnehmer des Theaterkurses, den das Leipziger Jobcenter finanziert. Die Arbeitslosen - viele sind schon jahrelang ohne Stelle - sollen hier wieder einen geregelten Rhythmus für ihr Leben finden.

Theaterprojekte mit Arbeitslosen gibt es in denvergangenen Jahren bundesweit immer mehr. In Leipzig leitet Schauspielerin Pfeil inzwischen den sechsten Kurs. Sie selbst hat viel Bühnen- und Filmerfahrung, aber es sei nicht das Ziel, aus den Amateuren während des Projektes Theaterprofis zu machen. "Nicht jeder will ins Rampenlicht", sagt Pfeil.

Einige Kursteilnehmer betätigen sich als Tontechniker oder bauen Requisiten. so auch Norman Friedrich. "Durch meine Drogenabhängigkeit fällt es mir morgens schwer, ganz anzukommen, weil ich erst meine Medizin abholen muss. Deshalb baue ich lieber am Bühnenbild", sagt der 38-Jährige. Der gelernte Maurer, Stuckateur und Gärtner ist seit sechs Jahren arbeitslos, träumt von einer Familie, einer festen Arbeit. Das Theaterprojekt gebe ihm einen gewissen Halt.

"Man ist viel Psychologe und Deutschlehrer, aber die Schinderei lohnt sich. Die Arbeitslosen entwickeln hier eine unglaubliche Arbeitslust. Einige laufen mit dem Wörterbuch herum, um die Grammatik richtig zu lernen", sagt Pfeil. Einige ausländische Teilnehmer kämen kaum aus ihren Familien heraus und sprächen wenig Deutsch. Im Theaterprojekt werde auf sie eingegangen und jeder Satz zeitintensiv geprobt.

Martin Richter, Sprecher des Leipziger Jobcenters, hält das Schauspielprojekt für einen erfolgreichen Ansatz. "Die vom Jobcenter geförderten Theaterprojekte sind ein Schritt, um die Langzeitarbeitslosen wieder arbeitsfähig zu machen", erklärt Richter. "Denn sie müssen oft erst einmal lernen, Deutsch zu sprechen, pünktlich und zuverlässig zu werden, ihre Schulden und ihre Suchtprobleme zu bekämpfen." Ein Drittel der Teilnehmer könne am Ende in Arbeit vermittelt werden.

Kritisch sieht dagegen die Autorin Rita Knobel-Ulrich die Schauspielerei. Sie recherchierte monatelang in Arbeitsagenturen, bei Tafeln und Anwälten. Auch ein Arbeitslosentheaterprojekt in Konstanz besuchte sie.

"Vielen Arbeitslosen fehlt die Motivation zu arbeiten, das ändert sich auch durch Theaterkurse nicht", sagt Knobel-Ulrich. Kosten und Nutzen stünden in keinem Verhältnis. "Ich habe nichts gegen Theaterspielen, aber als Lösung für diverse Drogenprobleme und unrealistische Lebensvorstellungen stehen die Ausgaben, die der Steuerzahler dafür aufbringen muss, in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis. Nicht einmal die Hälfte findet danach einen Job, das Jobcenter hält es teilweise schon für einen Erfolg, wenn ein Arbeitsloser ein Praktikum macht", kritisiert Knobel-Ulrich.