Von Beate Möschl

Der erste private Frühphasen-Förderungsfonds für Start-ups, also neu gegründete Unternehmen - meist mit einer besonderen, innovativen Geschäftsidee, aus den neuen Bundesländern mit dem Schwerpunkt Digitalisierung soll Ende März an den Start gehen. Die Genehmigungsunterlagen zur Einreichung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) werden gerade komplettiert.

Das berichtet Eric Weber, Geschäftsführer und Mitbegründer der in der Leipziger Baumwollspinnerei beheimateten Existenzgründerinitiative SpinLab. Die Ausgründung aus der HHL Leipzig Graduate School of Management (ehemals: Handelshochschule Leipzig) hat seit ihrem Start vor drei Jahren 51 technologieorientierte Start-ups unterstützt – vorrangig durch Know-How und das Zusammenbringen mit anderen Gründern, bereits etablierten Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Investoren.

24 regionale und überregionale Partnerunternehmen und Investoren unterstützen die Gründerinitiative SpinLab. Dadurch sind laut Eric Weber mehr als 350 Arbeitsplätze entstanden. „Insgesamt wurden mehr als 35 Millionen Euro investiert.“

Gemessen an der Forschungslandschaft und dem Wissensstand ist das aus Sicht des SpinLab-Chefs „viel zu wenig“. Weber will gegensteuern mithilfe des neuen Frühphasen-Förderungsfonds. Er verweist auf die Global Player: „In den USA werden pro Jahr über 40 Milliarden US-Dollar in Start-ups investiert. In China ist es fast genauso viel, Tendenz steigend. China wird die USA demnächst einholen als Wagniskapitalstandort.“

In Deutschland liege die Summe des jährlich in neu gestartete Unternehmen investierten Risikokapitals bei rund vier Milliarden Euro. „Davon gehen circa drei Milliarden Euro allein in die Gründerszene im Berliner Raum.“ Die in Sachsen investierten rund 30 Millionen Euro Wagniskapital entsprächen gerade mal einem Prozent der in Berlin investierten Summe.

Mit der Auflage eines eigenen Venture-Capital-Fonds mit einem Schwerpunkt auf Mitteldeutschland wollen Weber, Förderer des SpinLabs wie die Leipziger VNG Gruppe – ein Unternehmensverbund mit etwa 60 Konzerngesellschaften und -beteiligungen in den Bereichen Import, Handel, Transport und Speicherung von Erdgas – sowie regionale Unternehmen und Banken das Gründerklima anheizen und den Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis forcieren. Geplant ist ein Fondsvolumen von zehn bis 15 Millionen Euro. Davon könnten 20 bis 25 Start-ups, auch aus der Lausitz, investieren.

Die Region hat eine Reihe interessanter Gründer und Gründerwettbewerbe. Um einen der begehrten geförderten Start-Plätze im SpinLab haben sich auch schon Südbrandenburger beworben. Ins Finale hat es bislang noch keiner geschafft.

Pro Halbjahr bewerben sich etwa 200 Start-up-Unternehmen. Für zehn bietet das SpinLab Platz. Immer halbjährlich rücken die nächsten zehn Finalisten aus der Bewerberrunde nach. Das SpinLab will das Angebot erweitern. Deshalb auch die Fonds-Initiative.„Wir hätten den Fonds gern größer gemacht, aber wir müssen das Geld dafür auch einwerben. Das ist eine Riesenherausforderung“, sagt Spinlab-Chef Eric Weber, der nach Stationen bei IT- und Großhandelsunternehmen an der Handelshochschule promovierte sowie in der Start-up-Initiative SMILE (SelbstManagement Initiative LEipzig) im Bereich Entrepreneurship (Unternehmertum) arbeitete und Erfahrungen als freier Berater mitbringt.

„Wir haben relativ wenig Vermögende und Konzernzentralen im Vergleich zu anderen Regionen, da bleiben uns in Mitteldeutschland weniger als 200 Ansprechpartner übrig, bei denen wir um Beteiligung am Wagniskapitalfonds werben können“, schildert Weber, was Strukturschwäche im Osten auch bedeutet.

Oder andersherum: „Der Vermögende aus Stuttgart ist sehr schwer davon zu überzeugen, in Sachsen oder Brandenburg zu investieren. In Stuttgart kann er an den Wochenenden erzählen, was er macht und unter der Woche kann er seine Start-ups besuchen.“

Nichtsdestotrotz haben die Leipziger für ihre Fondsoffensive offenbar überzeugende Argumente. Weber rechnet damit, dass der Fonds Ende des ersten Quartals an den Start gehen kann. „Wir sind gerade dabei, mit den Anwälten die Unterlagen auszuarbeiten und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bafin, einzureichen.“

Zwei Fondsmanager, die Erfahrungen aus London mitbringen und bereits zehn Start-ups begleiten, haben das Management für den ersten Frühphasen-Förderfonds aus Leipzig für Start Ups im Osten zugesagt.

Das Management beinhaltet auch eine Selbstbeteiligung, „Der Fondsmanager muss mit investieren, das heißt, alle Fondsmanager beteiligen sich mit eigenem Kapital“, bestätigt Eric Weber. Einer von beiden sei inzwischen sogar nach Leipzig gezogen.